Schmetterlinge sind sehr beliebte Insekten. Sie sind zumeist tagaktiv und ausgesprochen hübsch. Ihre Farben und Formen faszinieren und laden dazu ein sie ausdauernd zu beobachten. Ihre Zartheit und Eleganz inspirieren die Menschen seit jeher zu Gedichten und Liedern.

Solche Falter zu pflegen ist interessant, lehrreich und oftmals nicht besonders schwer. Auch die Zucht ist bei vielen Arten gut möglich, wenn einige Bedingungen erfüllt sind. Du hättest gern bunte Schmetterlinge, weißt aber nicht was du mit den Puppen machen sollst? Dann lies einfach weiter. Im folgenden Text bekommst du alle Informationen um tropische Tagfalter erfolgreich bei dir zuhause schlüpfen zu lassen.

Was die Raupe das Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling

Laotse

Worin halte ich die Puppen?

Als Puppenkasten eignen sich Terrarien, Plastiklagerboxen oder auch Faunarien. Die erforderliche Größe hängt von der Menge an Puppen ab. Ein Terrarium mit den Maßen 30cm x 30cm x 45cm (Länge x Breite x Höhe) kann bis zu 20 Puppen beherbergen. Als Rückwand ist eine Styroporplatte gut geeignet. Diese ist mit Leinenstoff überzogen. Dadurch kann sich der schlüpfende Falter perfekt festhalten. Als Bodengrund ist Zellstoff oder noch besser Kokoshumus mit einer Auflage aus Leinenstoff geeignet. Dieser dient zur Speicherung der Feuchtigkeit und hilft zudem heruntergefallenen Faltern wieder an der Wand hochzuklettern. Ein Thermometer und ein Hygrometer im Puppenkasten helfen dir, das richtige Klima herzustellen. Falls die Zimmertemperatur tagsüber keine 25 bis 30 °C beträgt, ist eine Heizmatte sehr hilfreich. Diese befindet sich unter dem Puppenkasten oder an einer Seite. 25 °C sind auch nachts ideal. Die Temperatur sollte in jedem Falle über 18°C liegen. Der Puppenkasten sollte sich im Schatten befinden. Direktes Sonnenlicht führt zum Austrocknen der Puppen. Eine Beleuchtung ist nicht notwendig.  Morgens und abends werden die Puppen sehr leicht besprüht. Hierfür ist ein Blumensprüher optimal. Die Feuchtigkeit ist extrem wichtig. Insbesondere Puppen die in den Tropen gezüchtet wurden, sind auf eine hohe Luftfeuchte angewiesen.

Dieses Terrarium ist gut als Schlupfkasten geeignet. Allerdings hängen die Puppen zu dicht zusammen. An einem Leinenstoffbezug über dem Styropor und auf dem Substrat könnten sich die Falter außerdem noch besser festhalten. 

Warum sollte ich meine Puppen bewegen?

In der Zucht verpuppen sich die Raupen häufig an Orten, an denen sie nicht schlüpfen sollen. Das sind zum Beispiel welkende Futterpflanzen oder Zuchtbehälter in denen das für die Weiterentwicklung nötige Klima nur schlecht erzeugt werden kann. Manchmal fallen Puppen auch von ihrem natürlichen Seidenpolster ab.

Kauft man Puppen, dann müssen auch diese zunächst für den Schlupf vorbereitet werden.

Gekaufte Puppen werden in den meisten Fällen liegend und in Watte geliefert.

Wann dürfen die Puppen bewegt werden?

Nach der Umwandlung von der Raupe zur Puppe sind die Tiere extrem weich. In diesem Stadium sind sie sehr verletzlich. Tagfalterpuppen sollten je nach Art ein bis drei Tage nicht berührt werden. Dadurch können Deformationen vermieden werden.
Über den Versand erhaltene Puppen können sofort nach Erhalt in den Puppenkasten überführt werden.

Wie entferne ich die Puppen von ihrer Unterlage?

Vor dem Hantieren mit den Puppen müssen deine Hände gut gewaschen werden um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.

Die verpuppungsbereiten Raupen spinnen ein Seidenpolster, an dem sie sich aufhängen. Um die Puppen korrekt von ihrer Seide zu befreien, musst du die Art der Aufhängung beachten.

Stürzpuppen, auch Hängepuppen genannt, hängen mit einigen Haken ihres Cremasters an einem Seidenpolster. Sie hängen kopfüber nach unten. Zu dieser Art Puppe gehören beispielsweise Morpho und Caligo. Mit einer Hand wird die Puppe festgehalten. Mithilfe einer Nadel hebt man das Seidenpolster an. Dann kann die Puppe vorsichtig abgezogen werden. Zunächst wird die Puppe auf eine Styroporunterlage oder etwas Zellstoff gelegt.

Gürtelpuppen dagegen sind zusätzlich mit einem Seidenfaden um den Bauch gesichert. Sie sind zumeist mit dem Kopf nach oben oder zur Seite an der Unterlage befestigt. Zu ihnen gehören z.B. Papilio und Hebomoia. Vor der Entfernung von der Unterlage muss der „Seidengürtel“ auf beiden Seiten mit einer kleinen Schere durchtrennt werden.

Beide Arten von Puppen lassen sich nicht durch bloßes Ziehen vom Untergrund entfernen. Ein solcher Versuch kann das Tier schwer verletzen oder sogar töten.

Wie hänge ich die Puppen auf?

Du brauchst hierfür:

  • Insektennadeln oder Stecknadeln
  • Klebepistole mit Niedrigtemperaturklebestick oder lösemittelfreier, wasserfester Holzleim
  • Ersatzseidenpolster
  • Puppenkasten
  • Zellstoff
  • Schale mit Eiswasser (d.h. Wasser mit Kühlakku oder Eiswürfeln)

Wenn dein Arbeitsplatz so aussieht, kann es losgehen.

Warnung

Niedrigtemperatur-Heißkleber ist heiß und kann bei unsachgemäßer Handhabung zu Verletzungen führen. Die Nadeln sind sehr spitz und können zu Verletzungen führen.

Das von der Raupe selbst gesponnene Seidenpolster kann zumeist nicht für die Wiederaufhängung genutzt werden. Es ist oft zu klein oder zu dünn. In diesem Falle hängt die Puppe nicht stabil oder fällt sogar herunter. Dies muss unbedingt vermieden werden.

Um die Puppe also wieder aufzuhängen, können verschiedene Materialien das Seidenpolster ersetzen. Stückchen aus Fliegengaze, Schaumstoff oder alten Augenspinnerkokons sind gleichermaßen gut geeignet. Das Ersatzseidenpolster sollte etwas größer als sein natürliches Vorbild sein. Mit einer kleinen Schere lassen sich so innerhalb von wenigen Minuten viele Unterlagen für die Puppen anfertigen.

Es gibt verschiedene geeignete Kleber um die Puppen am Ersatzseidenpolster zu befestigen. Lösemittelfreier, wasserfester Holzleim funktioniert zumeist. Innerhalb der langen Trocknungszeit können sich die Puppen allerdings bewegen, sodass das Polster abfällt. Ich empfehle einen Niedrigtemperatur-Heißkleber in Kombination mit Eiswasser. Das Ankleben geht damit sehr schnell und ohne Probleme.

Teste zunächst die Temperatur:  Tropfe einen kleinen Tropfen Kleber auf ein Ersatzseidenpolster, warte einige Sekunden und fühle nun, ober der Kleber wirklich nicht zu heiß ist. Er sollte immernoch weich und warm, aber nicht mehr heiß sein. Zuviel Hitze kann die Puppe verletzen. Zuviel Kleber schädigt die Puppe ebenso.

Nun bist du dir sicher, dass der Kleber für die Puppe nicht unangenehm ist. Wieder bringst du einen Tropfen Kleber auf ein Ersatzseidenpolster. 

Nach kurzem Abkühlen wird nun der Cremaster der Puppe auf den Tropfen gedrückt. 

Sofort wird der hintere Teil des Hinterleibs der Puppe inklusive Kleber und Polster für 2 Sekunden in eine Schale mit Eiswasser getaucht.

Nun kann das Seidenpolster genadelt werden. Hierfür sind Insektennadeln oder reguläre Stecknadeln geeignet.

Mit Schaumstoffsückchen funktioniert das System genauso gut.

 Schließlich wird die Puppe an der Rückwand des Puppenkastens festgesteckt. Sie sollte nun gerade nach unten hängen. Je nach Größe der Puppe und des schlüpfenden Falters wird zu den anderen Puppen ein Abstand von fünf bis zwölf Zentimetern gelassen. Auch nach unten muss der Größe entsprechend Platz gelassen werden.

Wann schlüpfen meine Puppen?

Die meisten tropischen Arten schlüpfen zehn bis sechszehn Tage nach ihrer Verpuppung.
Ein bis zwei Tage vor dem Schlupf scheinen die Farben des fertigen Falters durch die Flügelscheiden der Puppe. Jetzt darf die Puppe nicht mehr angefasst oder gestört werden.
Der Schmetterling sprengt die Puppenhülle mit seinem Körper. Mithilfe seiner Beine zieht er den noch dicken, plumpen Körper heraus und hält sich in den meisten Fällen an der Puppenhülle oder an einem nahegelegenen Gegenstand fest. Die Flügel sind zunächst klein, weich und mit Flüssigkeit gefüllt. Innerhalb der nächsten paar Minuten pumpt der Falter die Flügel zur vollen Größe auf. Nach zwei bis vier Stunden härten sie aus und er wird flugfähig. Nun kann der Schmetterling in den Flugkäfig umgesetzt werden.

Das Warten hat ein Ende. Der erste Falter ist geschlüpft.

Ich habe meine Puppe fallen gelassen. Was nun?

Falls die Puppe zerbricht, so ist sie nicht mehr zu retten und stirbt. Ist sie noch intakt kannst du sie zu den anderen hängen. Die Chance ist relativ groß, dass der Falter noch schlüpft. Vorsicht ist wirklich sehr wichtig beim Umgang mit den fragilen Insekten.

Mein frisch geschlüpfter Schmetterling schießt mit roter, übelriechender Flüssigkeit?!

Das ist kein Grund zur Sorge. Nach langer Zeit in der Puppenhülle, kann er sich endlich seiner Stoffwechselendprodukte entledigen. Dieser erste Kot nennt sich Mekonium.

Kann ich die Puppen nicht einfach hinlegen?

Auch liegende Puppen schlüpfen in vielen Fällen erfolgreich, solange die Falter etwas haben um sofort nach dem Schlupf daran hochzuklettern. Leinentücher eigenen sich dafür besonders gut. Am günstigsten ist es allerdings nach wie vor die Puppen aufzuhängen. Die Schwerkraft unterstützt das Entfalten der Flügel nach dem Schlupf. Zudem fällt das Mekonium direkt nach unten und kann nicht in Kontakt mit dem Falter kommen.

Wann reinige ich meinen Puppenkasten?

Nach dem Schlupf eines Schmetterlings bleiben die leere Puppenhülle sowie das Mekonium zurück. Die Puppenhülle solltest du entfernen, damit keine anderen Falter an ihr hängenbleiben. Durch das regelmäßige Sprühen wird das Mekonium ins Substrat gewaschen. Dieses sollte nach 30 bis 50 geschlüpften Schmetterlingen getauscht werden.

Fazit

Mit dem richtigen Puppenkasten und der passenden Technik ist die Haltung tropischer Tagfalterpuppen nicht schwer. Die Metamorphose der Schmetterlinge ist ein wirkliches Wunder der Natur. Aus einer bonbonartigen Puppe wird ein zumeist bunter, hübscher Falter. So ein Erlebnis bleibt dir definitiv für immer in Erinnerung..

Ein Scharlachroter Schwalbenschwanz (Papilio rumanzovia) und ein Malachitfalter (Siproeta stelenes) in voller Pracht. Die Falter sind jetzt bereit in den Flugkäfig umgesetzt zu werden.

Auch die Puppe vom Schaumstoffstückchen ist zum Falter geworden. Es ist ein Gebändertes Eulchen (Opsiphanes cassina)

5 Idee über “Wie bringe ich tropische Tagfalterpuppen erfolgreich zum Schlupf ?

      • Oliver sagt:

        Hallo Stefan,
        in Superkleber sind zumeist ziemlich giftige Verbindungen enthalten. Er ist nicht zu empfehlen. Lösemittelfreier, wasserfester Holzleim ist eine bessere Alternative. Dieser braucht allerdings längere Zeit um auszuhärten.
        Beste Grüße
        Oli

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