1. Wirbellose sind unglaublich vielfältig in ihrem Aussehen – selbst innerhalb einer Art.

Sehr viele Arthropoden haben sehr verschiedene Farbformen. Von Natur aus gibt es eine gewisse Variabilität. 

Die Raupen der Achateule können beispielsweise gelb, grün, orange, braun oder rot gefärbt sein.

Alle fünf abgebildeten Tiere sind Geschwister. 

Allerdings gibt es auch Arten, bei denen der Halter gezielt Einfluss auf die Farbgebung ausüben kann.

Füttert man Stabschrecken der Art Ramulus artemis mit Brombeerblättern, so sind sie dunkel grau-grün gefärbt. Erhalten sie dagegen Basilikumblätter, so ändert sich die Farbe in ein frisches grasgrün.

In den letzten Jahren nimmt der Asseltrend immer mehr an Bedeutung zu. Das liegt auch daran, dass sich bei den kleinen Krebstieren relativ einfach bestimmte Merkmale herauszüchten lassen. Porcellio laevis ist in der Wildform eine dunkelgraue Art. Allerdings gibt es mittlerweile die Zuchtformen „Orange“ und „Panda“.  

2. Wenig Futter – in der Natur zu finden oder selber machen

Wirbellose brauchen entsprechend ihrer Größe weniger Futter als die meisten Vögel und Säuger. Dieses Futter ist zudem häufig in der Natur zu finden, selbst zu produzieren oder preislich günstig. 

Viele Raupenfutterpflanzen findet man in nächster Nähe. Auch befreundete Gartenbesitzer geben oft gern etwas Liguster oder Löwenzahn zur Raupenfütterung ab. 

Laubwaldhumus für die Assel- oder Käferzucht lässt sich im nahen Mischwald ausreichend finden. Natürlich sollte vor dem Zusammenharken des Substrats die Erlaubnis des Besitzers eingeholt werden. Gegen die Mitnahme von etwas morschem Holz und „Erde“ hat dieser meist nichts einzuwenden. 

Selbst Flakesoil, das Käfersubstrat schlechthin, kann mit etwas Mühe selbst in einer kleinen Wohnung produziert werden. 

Für die Spinnenfreunde dagegen stellt eine kleine Schabenzucht oftmals die Lösung vieler Probleme dar. Der Vorteil selbst erzeugten Futters liegt auf der Hand: Man weiß genau was drin ist. 

Das gilt sowohl für Pflanzen und Substrate als auch für Futtertiere. 

Lamprima adolphinae ernährt sich als Larve von weißfaulem Holz oder Flakesoil.

Als erwachsener Käfer nimmt er gern Banane, Beetlejelly und Honig an. 

3. Geringe Platzansprüche 

Für einige Käfer-, Assel- oder Spinnenarten reicht schon eine einzelne Heimchendose als Terrarium aus. In diesem Behälter mit 6 cm Höhe, sowie 12 cm Breite und Länge kann die gesamte  Entwicklung beobachtet werden.

Milchkrautwanzen (Oncopeltus fasciatus) können schon in einer Heimchendose gehalten und vermehrt werden. 

4. Geringer Energiebedarf

Terrarientiere kommen zumeist aus wärmeren bis tropischen Gegenden. Diese Arten können ganzjährig im Haus gehalten werden und müssen nicht kalt überwintert werden. Oftmals ist das Wärmebedürfnis dann doch höher als die reguläre Zimmertemperatur. Ein großes Reptilienterrarium, mit seinen Wärme und UV-Licht produzierenden Lampen, verbraucht tendenziell mehr Strom als ein Vivarium mit Wirbellosen. In Anbetracht der Tatsache, dass der Strompreis konstant steigt ist dies ein finanziell wichtiger Gedankengang.

5.Ein Temperament für jeden Charakter

Natürlich sind Wirbellose keine Streichel-, sondern Beobachtungstiere. Doch jeder Tierhalter hat bei Beobachten gewisse Vorlieben. Aquaristisches Zitat meines Opas „Nein, Zebrabärblinge sind mir zu schnell, da werde ich ja ganz nervös beim Zusehen!“

Auch im Terrarium oder Flugkäfig gibt es sehr unterschiedliche Charaktere: Rosenkäfer (Eudicella sp.) sind tagaktiv. Ab dem späten Morgen fressen, fliegen, krabbeln und paaren sich die Käfer was das Zeug hält. Erst am Abend vergraben sie sich und ruhen im Substrat bis zum nächsten Tag. 

Einige Nachtfalter, wie der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos), sind strikt nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie unbeweglich an der Wand. Erst spät in der Nacht starten sie und gehen im kolibriartigen Flug auf Nahrungssuche. 

Um sein Haustier auch zu Gesicht zu bekommen, sollte man dessen Aktivitätszeit definitiv mit der eigenen abgleichen. 

Eudicella aethipica sind sehr agile, tagaktive Rosenkäfer. 

6.Unterschiedliche Lebenserwartungen und die zeitliche Flexibilität

Die Lebensdauer wirbelloser Tiere reicht von wenigen Tagen bis zu vielen Jahren. Wer grundsätzlich eher unentschlossen ist und keine Lust oder Möglichkeit hat sich auf ein langjähriges Haustier einzulassen hat trotzdem eine Möglichkeit Tiere daheim zu halten. Der Kontrast zeigt sich, wenn man beispielsweise den Atlasspinner (Attacus atlas) und die berühmte Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma hamorii) gegenüberstellt. Der Seidenspinner schlüpft nach 2 bis spätestens 6 Monaten aus seinem Kokon und lebt dann noch 5 bis 14 Tage. Dies ist davon abhängig, ob er im Zölibat gehalten wird oder die Chance hat sich zu paaren.
Auch weibliche Vogelspinnen leben länger als männliche.
Die Männchen leben bis zu 6 Jahre, die Weibchen dagegen erreichen durchaus ein Alter von 20 Jahren und mehr. Kann man nicht mehr als ein paar Monate im Voraus planen, so ist der Schmetterling die bessere Wahl. Ist man allerdings sesshaft und kann weit in die Zukunft planen, so es auch möglich langlebige Spinnen zu halten.

Männliche Atlasspinner leben kürzer als weibliche.

7. Kann man Wirbellose trainieren?

Bisher sind noch keine Wirbellosen bekannt, die auf verbale Kommandos z.B. „Sitz!“ reagieren. Dennoch lässt sich ein gewisser Trainingseffekt beobachten. 

Bei Schmetterlingen ist dieses Lernen sehr markant. Manche handgefütterten Ligusterschwärmer erkennen schon nach der dritten Fütterung den Sinn der Übung. Bei nächsten Mal rollen sie schon beim Hochheben mit der Hand ihren Rüssel aus. 

Auch Spinnen lernen aus Erfahrung. Nachdem eine Springspinne (Phidippus regius) vielfach in der gleichen Behälterecke gefüttert wurde, wartete sie zur Fütterung immer dort. 

Das Wissen um günstige Jagdplätze verhilft der Springspinne zum Erfolg.

8. Du hast eine sehr feine Nase?

Dann bist du bei den Wirbellosen genau richtig. Die meisten Wirbellosen  haben keinen bis sehr wenig Eigengeruch. Höchstens das Substrat riecht etwas nach Waldboden. Selbst Arten mit Wehrsekret (z.B. Diplopoden) riecht man erst, wenn man sie händelt. 

Eine extrem wohlriechende Käferart ist Osmoderma opicum. Dieser Pinselkäfer riecht süßlich nach Aprikose. 

Osmoderma opicum- Vier Tiere in einem gut gelüfteten Terrarium reichen aus um das umgebende Zimmer zu beduften. 

9. Du bist allergisch auf Tierhaare bzw. Federn.

Wirbellose haben grundsätzlich andere Proteinstrukturen, die bei Säugetier- und Vogelallergien keinerlei Probleme bereiten. 

Selbst behaarte Bärenraupen und Trägspinnerraupen sollten dir keine Probleme bereiten. Zur Haltung als Haustier eignen sich Arten, die keine richtigen Brennhaare haben.

Die Raupe vom Buchen-Streckfuß (Calliteara pudibunda) hat eine sehr auffällige Haartracht. 

10. Verfügbarkeit und Anschaffungskosten – Designerkäfer oder Wildfänge aus dem Garten

Bei der Vielzahl der Wirbellosen gibt es auch eine Vielzahl von Preisen. 

Blaue Farbformen des Regenbogenhirschkäfers (Phalacrognathus muelleri) kosten über 1000 Euro pro Pärchen. Solche Preise sind allerdings eher die Ausnahme. 

Grundsätzlich kosten einzelne wirbellose Tiere zumeist weniger als 100 Euro oder sogar nur 50 Cent. 

Auch Gärten und Wälder bieten gute Möglichkeiten interessante Tiere zu finden. Natürlich sollten nur ungeschützte Arten entnommen werden. Den Schutzstatus in Deutschland kann man auf Wisia.de herausfinden. Hierbei sollte allerdings beachtet werden, dass auch in der Haltung die vier Jahreszeiten nachgestellt werden müssen. Oftmals bedeutet dies, die Tiere im Herbst bis Frühling im ungeheizten Keller, einer Garage oder im Kühlschrank unterzubringen. Im Sommer dagegen können sie in der warmen Wohnung beobachtet werden.

Gebänderte Pinselkäfer (Trichius fasciatus) sind sehr aktive Terrarienbewohner.

Auch sie fressen gern Beetlejelly.

11. Pet Sitting ohne Probleme

Du möchtest für zwei Wochen in den Urlaub fahren. Selbstverständlich braucht dein Haustier in dieser Zeit eine angemessene Pflege. Hier gibt es große Unterschiede. Raubwanzen, Spinnen und Skorpione können ab einer gewissen Größe gut gefüttert allein gelassen werden. Käferlarven kommen mit genügend Substrat sogar mehrere Monate aus. Schmetterlingsraupen und erwachsene Käfer dagegen benötigen jeden oder jeden zweiten Tag Aufmerksamkeit in Form von Futter und kleineren Reinigungsarbeiten. Solche Tiere werden am besten mitsamt ihrer kleinen Behausung zu gut instruierten Familienmitgliedern oder Freunden gebracht.

12. Die Reinigung – mehr Krümel als Kot

Klein, geruchlos und trocken – diese drei Worte beschreiben die Ausscheidungen vieler Wirbelloser sehr treffend. Aufgrund ihrer geringen Größe halten sich die Mengen sehr in Grenzen. Doch auch hier gibt es eine Gratwanderung. Raupenbehälter werden meist täglich bis aller drei Tage gereinigt. Bei manchen Spinnen dagegen wird das Substrat nur einmal im Jahr gewechselt. 

Auch die Raupen von Cricula trifenestrata setzen ihr Futterlaub zu kleinen schwarzen Pellets um. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Shopbewertung - insektenlifestyle.com