Seit vielen Jahren wird Kunstfutter für die Zucht verschiedener Schmetterlingsarten genutzt. Besonders gut eignen sich viele Bärenspinner und Eulenfalter. Deren polyphage Raupen haben meist nicht besonders große Ansprüche an ihr Futter.

Auch für Schwärmer lassen sich einige Rezepte im Netz finden, oftmals sind die Zutaten aber schwierig zu bekommen oder das Ergebnis lässt zu wünschen übrig. Nach längeren Nachforschungen habe ich nun ein Futter gefunden, das sich für verschiedene Schwärmer- und auch einige Saturnidenarten eignet.

 

Es bietet einige besondere Vorteile:

  • Das Kunstfutter ist einfach zuzubereiten -> wie ein Instantpudding.

  • Die Raupen fressen es sobald sie aus dem Ei schlüpfen.

  • Wird es in reiner Form in größeren Behältern bei geringem Besatz verwendet, so muss das Futter nur alle vier bis fünf Tage gewechselt werden.

  • Die Reihe der züchtbaren Arten lässt sich mit der Zugabe von Blattpulver der Futterpflanze erweitern.

  • Die Raupen auf Kunstfutter wachsen schneller und werden oftmals wesentlich größer als ihre laubgefütterten Artgenossen.

Raupen des Großen Weinschwärmers (Hippotion celerio) am Kunstfutter mit Labkrautzusatz

Die Raupen vom Oleanderschwärmer (Daphnis nerii) treten in der häufigen grünen Form…

und der selteneren, orangen Form auf. 

Wie bekomme ich die Eiraupen ans Futter?

Das Futter sollte idealerweise zwei Tage vor dem Schlupf der Raupen gekocht und dann im Kühlschrank gelagert werden. Schlüpfen die Eiraupen, so kann deren erste Behausung vorbereitet werden.

Aus dem zubereiteten Futter wird ein 1,5cm dicker Block herausgeschnitten.

Falls die Masse sehr nass erscheint, sollte sie vor der weiteren Verarbeitung etwas mit Küchenpapier abgetrocknet werden.

 In Längsrichtung wird nun eine 4mm starke Scheibe abgetrennt.

 Das große Stück Kunstfutter wird in der Zuchtdose auf einem Stück Küchenpapier platziert. Nun wird aus dem Inneren ein weiterer Block herausgeschnitten, sodass nur noch die ca. 5mm dicken Wände der ursprünglichen Futterstücks bestehen. Leichte Unebenheiten erleichtern den Jungraupen das Fressen.

 In den Zwischenraum werden nun die Eiraupen eingesetzt.

Die zuvor vorbereitete dünne Scheibe dient nun zum Verschluss des Futterstücks. Dabei darf keine Raupe zerdrückt werden.

Die Raupendose wird nun verschlossen und für zwei Tage an einem dunklen Ort mit konstanter Temperatur aufbewahrt. Dann sind die ersten Fraßspuren und Kotkrümel zu erkennen.

 

Fressen die Raupen zuverlässig, so können sie zunächst in Petrischalen gehalten werden.

Gibt es beim Oleanderschwärmer etwas Besonderes zu beachten?

Der Oleanderschwärmer (Daphnis nerii) frisst das Kunstfutter ohne Blattzusatz. Wer jedoch Zugriff auf unbelastete Blätter von Oleander (Nerium oleander) oder Immergrün (Vinca sp.) hat, kann gern 80g frische Blätter mit 50g Wasser im Mixer zu einem „Smoothie“ verarbeiten. Diese 130g werden vom Wasseranteil abgezogen und dann beim Kochvorgang nach der Basismischung hinzugegeben.

In diesem Fall muss das fertige Futter allerdings aller drei Tage gewechselt werden. 

Es handelt sich bei den natürlichen Futterpflanzen um sehr potente Giftpflanzen, die beim Kochen entstehenden Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden.

Oleanderschwärmerraupen am Kunstfutter ohne Blattzusatz

Wie verfüttere ich das Futter an größere Raupen?

Für größere Raupen eignen sich Heimchendosen mit nur wenigen Luftlöchern, runde „Ananasdosen“ oder mein Favorit: die Zuchtdose mit Gazelüftung“ Je nach Besatz und Futtermenge kann die Gaze etwas mit Folie abgedeckt werden um die richtige Feuchtigkeit zu erreichen.

Damit sich die Raupen in Plastikdosen an etwas festhalten können, kann das Futter in Würfel geschnitten und auf Schaschlikspieße gesteckt werden.  Alle vier bis fünf Tage sollte das Kunstfutter gewechselt und der Aufzuchtbehälter gereinigt werden.

Ich verfüttere am liebsten häufiger kleinere Mengen und nutze dafür  Küchenpapier oder Kunststoffgitter als Unterlage. Die Gitter lassen sich bei ständiger Nutzung mehrere Monate bis Jahre wiederverwenden.

Mittelgroße Oleanderschwärmerraupen zwei Stunden nach dem Futterwechsel…

…und nach zwei Tagen. 

Durch Einzelhaltung und ein Plastikgitter lassen sich die L5 in der „Zuchtdose  95mm x 95mm x 54mm“ besonders gut sauberhalten.

Das Futter schmeckt weiterhin.

Soll in solch kleinen Behältern Zellstoff genutzt werden, so erfolgt die Reinigung  täglich. Fehlendes Futter wird nachgelegt.

Wenn die Raupen sich dunkelgrau färben und schleimigen Kot abgeben ist Verpuppungszeit. Nun werden sie einzeln in eine Dose mit feuchtem Kokoshumus und ein paar Stückchen Zellstoff gesetzt. 

Die regungslosen Vorpuppen werden dann zur endgültigen Verpuppung in eine Mulde im Kokoshumus platziert.