Seine wahren Blütezeiten hatte das Insektensammeln im 18. und 19. Jahrhundert. Es war ganz normal am Wochenende Schmetterlinge zu fangen um sie anschließend zu präparieren oder auch weiterzuzüchten. Unzählige Arten wurden zu dieser Zeit wissenschaftlich beschrieben und das Wissen über diese wurde vermehrt. Durch veränderte Interessen  und Lebensgewohnheiten wurden es auf dem Weg in die 1960er Jahre langsam aber sicher immer weniger Sammler. Heute befinden wir uns im Jahr 2021 und ein Blick in entomologische Vereine und Insektenbörsen zeigt:

Der durchschnittlicher Insektensammler ist sicher vieles, aber nicht jung.

Glücklicherweise gibt es in den letzten Jahren einen Trend in den sozialen Medien, der das Hobby und die Leidenschaft für die Insekten wieder populärer macht. Entomologie ist synonym mit dem Fangen und Präparieren der spannenden Kleintiere. Die meisten von uns sind sich ihrer ökologischen Bedeutung in der Welt bewusst und möchten mit der Natur im Einklang leben. Da kommt relativ schnell die Frage auf:

Ist es in Ordnung heutzutage Insekten zu sammeln?

Weshalb sammeln Menschen Insekten?

Es gibt einige gute Gründe um Insekten zu sammeln:

• Medizinische Entomologen

→ besammeln und erforschen krankheitserregende Insekten, z.B. Mücken, Wanzen und Flöhe.

• Forensische Entomologen

→ erkennen anhand der vorhandenen Insekten den Todeszeitpunkt einer Leiche und ggf. die Umstände ihres Ablebens.

• Agrar- und Forstentomologen

→ befassen sich mit Insekten die in der Landwirtschaft oder in Wäldern für den Ertrag positiv wirken oder schädlich werden.

• Schädlingsbekämpfer

→bekämpfen den Befall schädlicher Insekten. In der Forstwirtschaft und Schädlingsbekämpfung ist die korrekte Identifikation vermeintlicher Problemarten enorm wichtig. Die Erkenntnis, dass ein vermuteter Schädling gar keiner ist, spart Pestizide und schützt das Leben der anderen im Lebensraum vorhandenen Arten.

• Taxonomen

→ beschreiben neue Arten und ordnen sie in die Systematik ein. Sie sind der Grund weshalb die Tiere die wir kennen einen wissenschaftlichen Namen haben und wir wissen mit welchen anderen Arten sie verwandt sind. Beim Fund einer neuen Spezies wird ein Tier oder eine Serie Typus-Exemplare erwählt und in einem Museum aufbewahrt. Diese Sammlungspräparate stellen nach den den Internationalen Regeln zur Zoologischen Nomenklatur die einzige objektive Definition der jeweiligen Art dar. Oftmals sind es innere Strukturen die eine Spezies von der anderen unterscheiden, doch diese lassen sich nur am gesammelten Tier erkennen. Da die Taxonomie durch einen stetigen Wissenszuwachs gekennzeichnet ist, können die Typen auch in Zukunft bearbeitet werden. Durch moderne Methoden wie z.B. das DNA-Barcoding können noch heute neue Erkenntnisse aus gut erhaltenen, teilweise über 100 Jahre alten Sammlungen gewonnen werden.

• Biodiversitätsforscher / Faunisten

→ führen praktisch die Arbeit der Taxonomen weiter und sind eng mit ihnen verbunden. Sie beobachten und sammeln Insekten eines Gebiets über einen längeren Zeitraum und können dadurch Aussagen über die ökologische Gesundheit eines Lebensraums treffen. Eine faunistische Sammlung ist ein Zeitabdruck des Habitats und bildet die Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten und den Naturschutz. Aufgrund ihrer Daten lassen sich besipielsweise Aussagen über Klimaveränderungen oder die Wasserqualität eines Flusses treffen. Für das Erlernen der korrekten Bestimmungsmethoden ist eine Vergleichssammlung unerlässlich. Erst wenn man die Insekten wirklich identifizieren kann ist klar was man überhaupt schützen sollte. Wird eine besonders gefährdete Art an einem neuen Ort entdeckt, so wird dieser möglicherweise zum Naturschutzgebiet. Dadurch ist dann die Population vor etwaigen Bauprojekten geschützt, stattdessen ist eine für die Art verträgliche Flächennutzung möglich. Die Arbeit endet nie, da sich die Artzusammensetzung eines Lebensraums über die Zeit immer weiter ändert.

• Ehrenamtliche Faunisten

→Da es nur sehr wenige Berufsentomologen gibt, freuen sich diese über die Zuarbeit ernsthafter Hobbyentomologen. Die Roten Listen Deutschlands basieren zu einem großen Teil auf ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

• Präparatoren für Bildungszwecke

→stellen Präparate her, die im Schul- oder Hochschulunterricht zum Einsatz kommen um z.b. die Lokalfauna eines Ortes oder Unterschiede zwischen verschiedenen Artgruppen darzustellen.

• Künstler, Liebhaber und „Briefmarkensammler“

→sammeln aus Freude an der Ästhetik der faszinierenden Insekten. Ihnen ist der wissenschaftliche Wert nicht besonders wichtig, sondern sie begeistern sich an der Farben- und Formenvielfalt. Sie sind meist entomologisch interessiert. oftmals stellen sie nach einiger Zeit fest, wie wichtig Etiketten sind. In der Folge können ihre gesammelten Präparate den richtigen entomologischen Forschern wichtige Erkenntnisse liefern.

• Insektenzüchter die auch sammeln

→ halten und vermehren gern Insekten. Wenn ein Tier stirbt so wird es in der Sammlung konserviert.

Oftmals gibt es zwischen den Sammlungsbeweggründen gewisse Überschneidungen, wer sich für ein Teilgebiet interessiert den fasziniert oft auch ein anderes.

Es gibt keine bessere Methode die Insekten eines Gebiets besser kennenzulernen, als sie für einige Zeit zu sammeln. Alle Experten sammeln auch. Insbesondere wissenschaftliches Insektensammeln trägt wesentlich mehr zu ihrem Schutz bei als es sie bedroht.

Von den vielen Aktivitäten bei denen Menschen Insekten töten steht das Sammeln oft als Grund für ihre Bedrohung im Vordergrund. Dabei ist es die einzige Tätigkeit die die Tiere schützt, indem wir mehr über sie und ihre Rolle im Ökosystem lernen. Es lassen sich Arten für eine bestimmten Ort belegen und ihr Lebensraum vor dem Verschwinden bewahren.

Jeder kennt die Dokumentationen über Elefanten und Nashörner in Afrika und weiß, dass diese teilweise bis zum Aussterben gewildert wurden. Allerdings sind Insekten keine Wirbeltiere. Vögel und Säugetiere haben zumeist 2 bis 50 Jungtiere in ihrem verhältnismäßig langen Leben. Die Überlebensrate ist verhältnismäßig hoch.

Insekten dagegen produzieren in den meisten Fällen riesige Mengen von Nachkommen sie legen zumeist hunderte bis tausende Eier. Die Entwicklung dieser und der gesamten Population hängt von den Umweltfaktoren im Lebensraum ab. Im intakten Ökosystem spielen vor allem die richtigen Pflanzen bzw. Beutetiere,  das Klima, vorhandene Fressfeinde und Parasiten eine Rolle. Oftmals sterben 90% der Nachkommen während ihrer Entwicklung.

Eine Langzeitsammelstudie in Deutschland hat ergeben, dass die Masse der Fluginsekten innerhalb der letzten 27 Jahre um mehr als 75% gesunken ist. Diese Erkenntnis ist den Sammlern zu verdanken. Ohne deren jahrelange Insektenfänge wäre diese Beobachtung nicht möglich gewesen.

Einige Forscher schätzen, dass jedes Jahr 40.000 Tier- und Pflanzenarten aussterben ohne jemals beschrieben worden zu sein. Ein riesiger Anteil davon sind Insekten.

Die Gründe weshalb des Insektensterbens sind leider sehr vielfältig:

  • Lebensraumverlust

Ohne seinen Lebensraum kann kein Insekt existieren. Allein durch die Flächennutzung verringern Landwirtschaft, Straßenbau, Abholzung den Lebensraum unzähliger Insekten.

Ein einfaches Beispiel ist Folgendes: Es ist Hochsommer. Herr Meier lässt zufällig drei Bananen hinter seinen Küchenschrank fallen. Ein paar Obstfliegen der Gattung Drosophila fliegen vom Geruch angelockt durch das Fenster und legen Eier im verheißungsvollen Habitat ab. Der Kücheninhaber wundert sich über die Fliegen und erschlägt sie. Da es sehr heiß ist, schlüpfen aber schon nach wenigen Tagen die nächsten erwachsenen Fliegen. Da die Menge der kleinen Fluginsekten jetzt schon etwas bedrohlich wirkt, kauft Herr Meier eine Obstfliegenfalle in der Drogerie. Er freut sich damit schnell und ohne großen Aufwand viele Fliegen zu fangen. Doch trotz der Falle findet er immer wieder mehr und mehr von ihnen. Erst als er die Bananen entdeckt und wegwirft ist das Fliegenproblem gelöst. Die Drosophila haben nun keinen Lebensraum mehr und verlassen die Wohnung. Glücklicherweise finden sie auf dem Komposthaufen im Garten eine ökologische Nische in der sie sich ungestört weiter vermehren können. Würde Herr Meier regelmäßig eine Banane hinter dem Schrank verschwinden lassen könnte er praktisch unendlich viele Fruchtfliegen fangen, ohne dass sich dies in der nächsten Generation bemerkbar macht. Sehr ähnlich verhält es sich auch mit den meisten Schmetterlingen, Käfern und anderen Insekten. Ist ihr Lebensraum intakt gibt es hunderte bis abertausende Individuen derselben Art. Solange der Lebensraum und die Entwicklungsstadien nicht gestört werden, ist selbst ein massenhaftes Besammeln nicht schädlich für die Art. Wird nur dagegen nur das Individuum und nicht der Lebensraum geschützt kann kein Insekt überleben. Dem in der Autobahn einbetonierten Hirschkäfer bringt es nicht besonders viel, dass er nicht gesammelt werden darf. Ähnlich verhält es sich mit den Schmetterlingen aus der Gattung Ornithoptera. Viele Vogelflüglerarten dürfen mit den entsprechenden CITES-Papieren gehandelt werden. Sie werden zu tausenden gezüchtet und an Insektenausstellungen und Sammler verkauft. Ihr Lebensraum ist geschützt da er Geld bringt. O. alexandrae „genießt“ den höchsten Schutzstatus  und befindet sich im CITES-Appendix 1. Er ist vor dem Sammler geschützt, aber durch Palmölplantagen in Papua-Neuguinea schrumpft sein Lebensraum stetig.

Viele Insektensammler haben Gärten. Diese unterscheiden sich sicherlich in ihrer Zusammensetzung, aber niemand von ihnen wird nur einen Steingarten mit einer Thujahecke als Umrandung haben. Dieser wäre schlichtweg zu langweilig, weil hier einfach keine interessanten Tiere leben. Selbst mit der Motivation nur einige besonders schöne Falter im Garten anzusiedeln wird Raum für dutzende andere Tier- und Pflanzenarten geschaffen.

  • Landwirtschaft

Egal ob man sich von der Vegetation ernährt oder von dem Tier das darauf lebt, allein durch landwirtschaftliche Monokulturen wird der Lebensraum unzähliger Spezies zerstört. Es gibt glücklicherweise viele Bemühungen die Landwirtschaft regenerativer zu gestalten und in Einklang mit der Natur zu bringen werden. Dennoch werden jeden Tag literweise Agrarpestizide mit Langzeitwirkung produziert und versprüht. Diese helfen gegen die Schädlinge, aber treffen umso mehr andere Arten. Als Kenner der Insekten überlegt man sich dagegen drei Mal, ob man den von Blattläusen befallenen Apfelbaum mit Bi58  besprüht.  Denn dort lebt schließlich auch das Abend-Pfauenauge (Smerinthus ocellata) und das möchte man sicher nicht verlieren.

  • Lichtverschmutzung

In den meisten Deckenleuchten von Wohnzimmern auf der ganzen Welt finden sich einzelne bis hunderte tote Insekten. Das ist ganz normal wenn im Sommer das Fenster offen steht. Straßenlaternen und beleuchtete Tankstellen locken mit ihrem Licht tausende Insekten in den Tod. Sie werden überfahren, von lernfähigen Wirbeltieren gefressen oder legen ihre Eier an einer völlig unpassenden Stelle.  Glücklicherweise ist die Beleuchtung vieler Städte mittlerweile auf für Insekten weniger anziehend wirkende Natriumdampflampen umgestellt worden.

Weiterhin werden allerdings UV-Insektenfallen für den Outdooreinsatz verkauft. Stellt man sich ein solches Gerät in den Garten fängt man sicher auch die ein oder andere Stubenfliege, Mücke oder Wespe. Mehr als 90% der gegrillten Insekten sind allerdings für den Menschen völlig harmlose Tiere: Nachtfalter, Käfer, Köcherfliegen…

  • Verkehrsmittel

Jede etwas längere Fahrt mit dem Auto, LKW oder Zug in einer warmen Sommernacht tötet hunderte bis tausende Insekten, möglicherweise mehr als ein Sammler in seinem ganzen Leben.

  • Verschleppung invasiver Arten

Absichtlich oder unabsichtlich in fremde Lebensräume verbrachte Tiere können anderen den Insekten das Leben oder gar Überleben schwer machen.

Der Baumhummer (Dryococelus australis) war endemisch auf der australischen Lord-Howe-Insel und gut im Bestand. Nachdem Ratten und Mäuse auf die Insel gelangten fraßen sie nach und nach alle Gespenstschrecken und die Art wurde viele Jahre für ausgestorben erklärt. Alte Sammlungsstücke zeigten ein Vorkommen auf der naheliegenden Felseninsel Balls Pyramid an. Glücklicherweise konnten hier 2001 einige wenige Tiere wiedergefunden werden. In den kommenden Jahren wurden mehrere der Schrecken gesammelt und nachgezüchtet. Durch die Zuchtanstrengungen einiger Zoos ist gibt es  einen relativ großen Bestand ex situ . Nach der Beseitigung der problematischen Nager konnten 2008 die ersten Baumhummer erfolgreich ausgewildert werden.  

Es geht mir nicht darum mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern darum gesammelte Insekten zu den für Insektenpopulationen wirklichen Gefahren ins Verhältnis zu setzen.

Es ist emotional einfach um ein bestimmtes für Sammlungszwecke getötetes Insekt zu trauern und sich aufzuregen, weil es ja Absicht war. Viele bedenken nicht die Unmengen ganz nebenbei getöteter Insekten. Da es ja nicht zielgerichtet war, kann man sich ja etwas besser fühlen. Doch dem Insekt wird es egal sein.

Um zu verhindern, dass Arten aussterben ist es notwendig sie zu sammeln und zu beschreiben. Erst unter Berücksichtigung der Morphologie und Anatomie erkennt man, dass sie existieren. Darauf folgen dann die Forschung über die Lebensweise, Beziehungen zum Ökosystem und das Verständnis um sie zu schützen.

Insektenpopulationen sind gegenüber dem Sammeln sehr widerstandsfähig. Aufgrund der enormen reproduktiven Kapazität ist es logistisch enorm schwer eine Art im intakten Lebensraum bis an den Rand des Aussterbens zu sammeln. Man stelle sich eine endemische Art vor. Ihr Lebensraum ist schon zum großen Teil verschwunden und besteht nur noch aus wenigen Hektar. Die Art versteckt sich nicht und / oder reagiert noch dazu extrem gut auf Köderfallen. Nur solch ein Insekt wäre potentiell durch übermäßiges Sammeln gefährdet. Belegexemplare sollten nur entnommen werden, insofern dies für die Unterschutzstellung nötig ist. Im Anschluss folgen idealerweise dann Renaturierungsprojekte in der Umgebung.

Einige erfahrene Entomologen sehen es kritisch, wenn Insekten ohne wissenschaftliche Etikettierung präpariert werden. Der wissenschaftliche Wert ist tatsächlich ziemlich gering.

Zum einen zieht der ästhetische Aspekt viele potentielle Entomologen in seinen Bann. Der Morpho an der Wand ist notwendig um das Interesse zu wecken und führt möglicherweise irgendwann zu einer Beschäftigung mit grauen Mikrolepidopteren oder 2-Millimeter-Käfern. Der Spaß und die Schönheit eines Hobbys sind das, was jemanden dazu antreibt sich weiter damit zu beschäftigen. Wände sind nicht besonders groß und Entomologieinteressierte merken bald, dass ein Insektenschrank und eine richtige Sammlung mit Fundortetiketten viel besser sind. Durch die deutsche Gesetzgebung ist es besonders für Kinder und Jugendliche schwierig über die Wiese zu rennen und ein paar Falter zu fangen. Es könnte ja eine geschützte Art dabei sein. Das Präparat ist der Beginn, später möchte man dann Raupen aufziehen, unentdeckte Arten nachweisen und ist sich dabei stets der Wichtigkeit der Insekten bewusst. Möglicherweise wird man sogar zum Berufsentomologen. Dies kann auch durch ein Foto geschehen, aber ein Präparat ist einfach spannender. Es ist echt.

Zum anderen sind gerade die besonders hübschen Arten,  wie z.B. Attacus atlas, Urania ripheus oder Dorcus titanus nicht selten und werden in großen Mengen gezüchtet. Bei solchen Tieren ist der Herkunftsnachweis von eher geringer Bedeutung. Der positive Effekt ergibt sich aus dem finanziellen Gewinn für die regenwaldnahe Bevölkerung. Dazu später mehr.

Hier geht es um zwei verschiedene Aspekte:

Für die Wissenschaft eignen sich oftmals auch nicht ganz perfekte Exemplare. Es sollten allerdings die äußeren und gewisse innere Merkmale erkennbar sein.

Schausammler bevorzugen allerdings 100% intakte Insekten. Bei robusten oder sehr kurzlebigen Arten ist es oft sehr gut möglich diese nach ihrem natürlichen Ableben zu präparieren. Ein Beispiel hierfür sind viele Maikäferartige. Meinen Erfahrungen nach treten während der Zucht hunderter Schmetterlinge ab und zu Puppen auf, die sich nicht perfekt häuten konnten und leichte bis schwere Missbildungen haben. Je nachdem wo sich diese befinden, sehen die Falter zwar gesund aus, sind es aber nicht. Sie versterben teilweise noch als Puppe oder aber relativ schnell nach dem Schlupf. Sie sind dann teilweise in makellosem Zustand und lassen sich optimal präparieren. Jedoch sind diese Fälle eher selten. Gesunde Falter leben ihr Leben sowohl in der Natur als auch im Zuchtbehälter. Nach einiger Zeit sieht man ihnen das Alter an. Die Farben verblassen, die Flügel sind beschädigt. In der Natur werden sterbende Insekten oftmals von Fressfeinden erbeutet oder relativ schnell nach ihrem Tod von anderen Insekten, Asseln oder Mäusen gefressen. Das ist der natürliche Lauf der Nahrungskette und dem Sammler bleibt dadurch nicht viel übrig. Ich gebe gern natürlich verstorbene Falter aus meiner Zucht oder von Farmen ab. Leider sehe ich regelmäßig enttäuschte Reaktionen, wenn jemand lernt wie ein natürlich gestorbener Falter in den meisten Fällen aussieht. Auch viele Schmetterlingshäuser geben gern verstorbene Falter ab doch auch diesen sieht man ihr langes Leben an.

In den sozialen Medien z.B. auf Youtube, Instagram oder TikTok kann man schnell ein falsches Bild über „natürlich gestorbene“ Insekten erhalten. So werden offensichtlich frisch nach dem Schlupf abgetötete Falter als „natürlich gestorben“ verkauft. Es gibt natürlich die oben beschriebenen Ausnahmen. Ökonomisch würde es für die Schmetterlingszüchter oder Sammler jedoch keinen Sinn machen, zu warten bis ein Insekt in schlechterer Qualität stirbt um es dann zwangsläufig günstiger zu verkaufen. Andere Insekten wie Prachtkäfer, Bockkäfer und Zikaden sind in vielen Fällen bisher unzüchtbar. Die Entwicklung ist oftmals noch nicht gänzlich erforscht. Selbstverständlich sind diese Insekten gestorben, aber eben durch die Betäubung eines Sammlers oder Züchters. Es ist fraglich an welcher Stelle die Unwahrheit entstanden ist. Entweder es liegt am Content Creator oder am Großhändler der durch einen einfachen Satz das Gewissen anderer beruhigen und seinen Gewinn erhöhen möchte.

Blickt man hinter die Fassade des „Oh der arme Schmetterling wurde umgebracht“, so lässt sich meiner Meinung nach ein vertretbarer Kompromiss finden:

Sehr viele Insektenarten mit Schauwert kommen in Regenwaldgegenden vor. Der Großteil der bedrohten Regenwaldlebensräume befindet sich in Entwicklungsländern. Für die ländliche Bevölkerung gibt es oftmals nicht sehr viele Möglichkeiten wirtschaftlich erfolgreich zu sein und gleichzeitig den Wald zu erhalten. Das Sammeln seltener tropischer Nüsse oder Ökotourismus sind interessante Ansätze, aber leider bringen sie den Leuten vor Ort nicht das notwendige Geld um ein gutes Leben zu führen. Holzeinschlag, Viehhaltung aber auch der Anbau von Bananen, Palmöl und Kaffee führen zur hochgradigen Verschlechterung oder Zerstörung des Lebensraums für unzählige Lebewesen. Wirtschaftliche Argumente sind von großer Bedeutung um die Bewohner und Besitzer der Wälder zu überzeugen sie nicht zu roden. Gerade aufgrund des oftmals starken Bevölkerungswachstums dieser Regionen sind erneuerbare Ressourcen extrem wichtig.

Hier kommen die Insekten ins Spiel:

Es gibt einen Markt der Insektarien, Schmetterlingshäuser, Museen,  Insektensammler und -züchter bedient.Die meisten davon befinden sich in Europa, Nordamerika und Asien. Vor allem Arten mit besonderem Verhalten oder großem Schauwert stoßen auf lebhaftes Interesse und haben hier potentielle Käufer.  

Insektensammler

In einem intakten Lebensraum gibt es mehr Insekten als ein Sammler jemals sammeln kann. Seltenere Arten kommen zu Zehntausenden vor, häufige dagegen zu Millionen. Bei vielen weit verbreiteten Arten sind auch Wildfänge unproblematisch, solange der Lebensraum erhalten bleibt. Und da der Fänger auf die Insekten angewiesen ist, hat er einen Grund die Habitate der Populationen zu schützen. Wespen, Zikaden und einige Käfer sind schwierig zu züchten, lassen sich aber jede Saison erneut sammeln ohne die nächste Generation zu beeinträchtigen. Dies zeigt sich besonders bei den Arten die nicht nur gesammelt, sondern auch gern gegessen werden. Bei den meisten Käfern sind nur die großen Männchen interessant. Die kleinen Weibchen werden wieder fliegen gelassen. Auch werden nur die Insekten gesammelt, denen aus Altersgründen noch kein Bein fehlt. Durch die Vermehrung der tausenden übrigen Tiere erholt sich die Population schnell von den Entnahmen der Sammler. Hinzu kommt der Fakt, dass auch scheinbar seltene Arten nicht wirklich selten sein müssen. Viele kommen nur den Baumkronen vor oder sind äußerst schreckhaft. Dadurch lässt sich vom Sammler nur ein Bruchteil der vorhandenen Insekten finden.

Insektenranches und -farmen

Wild gefangene Schmetterlinge sind oftmals leicht beschädigt. Deshalb ist es für die Fänger sinnvoller diese zu züchten. In den meisten Fällen lebt der Sammler in der Nähe des Waldes. Er pflanzt in seinen Garten Nektar- und Futterpflanzen der gewünschten Schmetterlingsart.  Diese Stellen sind ausgesprochen attraktiv und locken Freilandweibchen des Falters an. Die Schmetterlinge legen hier einen Teil ihrer Eier ab und verschwinden wieder im Wald. Dort werden die restlichen Eier verteilt.  Je nachdem ob es viele Parasitoide oder andere Gefahren gibt, werden die Eier oder die Raupen mit einem Netz überspannt oder in einen sicheren Zuchtraum gebracht. Die Raupen werden aufgezogen und schließlich als Puppe oder Falter verkauft.

Die nächst effektivere Stufe ist die Insektenfarm. Die gesamte Entwicklung läuft in geschlossenen Anlagen ab. Das wären z.B. ein Netzgehege für die Falter und einige Gebäude für die Raupenaufzucht. Die Insekten haben Nachkommen und werden über mehrere Generationen weitergezüchtet. Ab und zu werden wilde Weibchen eingebracht um den Zuchtstamm aufzufrischen. Diese legen oftmals 100 bis 500 Eier. Deshalb ist der Individuenverlust für die Population extrem gering. Im Freiland überleben bei den meisten Arten weniger als 10% der Nachkommen. Durch die Pflege der Rancher und Züchter steigt diese Zahl auf 70 bis 90%. Oftmals wird ein Überschuss gezüchtet und 10-20% der gezüchteten Falter werden fliegengelassen. Dadurch werden die wilden Populationen weiterhin unterstützt. Um die hungrigen Raupen zu füttern benötigt die Farm ein großes Stück bewaldetes Land auf dem die verschiedenen Futterpflanzen zu finden sind. War der Wald zuvor ein gefährlicher Ort mit Elefanten und Pavianen die ständig die Ernte zerstörten, so hat er nun eine neue Bedeutung. Er ist zur wichtigen Ressource geworden. Das Startkapital für eine Insektenfarm ist verhältnismäßig gering. Gemeinden in Waldesnähe können leicht am Projekt teilnehmen. Nachdem das System aufgebaut wurde, ist der Aufwand wesentlich geringer als die Insekten im Freiland zu fangen. Schmetterlingszucht wird besser bezahlt als Monokulturen. Die rurale Bevölkerung kann ihr Einkommen aufbessern und erkennt schnell, dass es Sinn macht den Wald zu schützen. Einige Insekten sterben, aber viel mehr Pflanzen- und Tierarten profitieren.

Theoretisch wäre dies das ideale System um den Regenwald zu schützen. Es werden keine Pestizide verwendet, der Wald bleibt stehen, es gibt lokale Jobs und gutes Geld. Doch der Markt ist begrenzt. Tote Schmetterlinge zu sammeln ist in vielen Ländern über die Jahre aus der Mode gekommen…zumindest bis vor kurzem. Kokons und Puppen für die Haltung in Schmetterlingshäusern machen dagegen einen großen Anteil aus. In den aktuellen Corona-Zeiten sind viele Schmetterlingshäuser geschlossen. Der weltweite Bedarf für Puppen und Kokons ist eher gering. Die Zuchtfarmen dagegen existieren weiterhin. Der Verkauf getrockneter Schmetterlinge kann ihnen etwas durch die Krise helfen.

Ob die Insektensammler und -züchter den Wald langfristig schützen können ist fraglich, aber jedes verkaufte Insekt ist ein kleiner Anlass mehr ihn nicht abzuholzen.

 

InsektenLifestyle kombiniert Insektenzucht, Entomologie und künstlerische Aspekte. Ich liefere Insekten für die Haltung, aber auch Exemplare zur Präparation in Museumsqualität.

Ich züchte große Teile meines Angebots selbst, verkaufe aber auch importierte, ökoethische Insekten und andere Wirbellose. Ich arbeite mit Insektenfarmen, -ranches, unabhängigen Züchtern und Sammlern aus vielen Ländern zusammen. Alle im Shop angebotenen Arten sind in den Herkunftsgebieten häufig und nicht durch den Verkauf gefährdet. Ich verkaufe keine Tiere die durch CITES oder andere Gesetze geschützt sind.

Fotos:

  • sind starr und unflexibel
  • sind in den meisten Fällen nur von einer oder mehreren Seiten aufgenommen.
  • lassen sich nicht unter dem Mikroskop vergrößern.
  • haben keine DNA die untersucht werden könnte
  • haben keine anhaftenden Pilzsporen, Parasiten die weiter untersucht werden könnten
  • innerer Genitalstrukturen lassen sich nicht am lebenden Tier machen
  • verfallen zumeist schneller als eine gut gepflegte Insektensammlung
  • sind einfach nicht dasselbe wie ein Präparat
  • bringen nur wenig Einkommen in die Herkunftsländer der Insekten

Leider reichen sie für viele Zwecke nicht aus.

Ob man lieber fotografiert oder sammelt hängt natürlich von der Zielstellung des Einzelnen ab.