1. Einleitung

Prosopocoilus lateralis ist ein Käfer aus der Familie der Hirschkäfer und Schröter (Lucanidae). Die Gattung Prosopocoilus ist im afrikanischen und vor allem asiatischen Raum in über 120 Arten vertreten. Zu diesen gehört auch der Riesen-Hirschkäfer P. giraffa, dessen Unterart P. g. keisukei bis zu 120mm Körperlänge erreichen kann. Prosopocoilus lateralis ist dagegen eher klein, aber dafür ziemlich bunt. Die Färbung der Flügeldecken ist in schwarze, rotbraune und sandgelbe Bereiche gegliedert. Es gibt einen markanten Größenunterschied zwischen den beiden Geschlechtern. Die größten Männchen erreichen 55 bis 60mm. Sowohl wilde als auch gezüchtete Weibchen liegen um die 20 bis 30mm.

2. Systematik

P. lateralis ist in den tropischen Wäldern Südostasiens anzutreffen

Dem Hirschkäferkatalog des entomologischen Museums in Léon zufolge wird die Art in 4 Unterarten aufgeteilt. Die Morpholgie, insbesondere die der männlichen Käfer unterscheidet ziemlich stark:

1. Prosopocoilus (Prosopocoilus) lateralis ssp. lateralis (HOPE & WESTWOOD, 1845)

    Philippinen: Nordost-Luzon, Mindoro, Negros, Mindanao

    Die mittleren Streifen an der Elytrennaht sind sehr dunkel bis nicht vorhanden.

2. Prosopocoilus (Prosopocoilus) lateralis ssp. myleenae (NAGAI & TSUKAMOTO, 2002)

    Philippines: Insel Catanduanes

    Die mittleren Streifen an der Elytrennaht sind sehr hell braun bis orange gefärbt.

3. Prosopocoilus (Prosopocoilus) lateralis ssp. bayanii (BENOIT & BOMANS, 2005)

     Philippinen: Insel Batanes

     Die Elytren sind hellorange oder hellbraun und weisen keine schwarzen, braunen oder roten Streifen auf.

4. Prosopocoilus (Prosopocoilus) lateralis ssp. lorquinii (DEYROLLE, 1866)

     Indonesien: Sulawesi

     Die mittleren Streifen an der Elytrennaht sind rotbraun bis rot gefärbt. Der Käfer wirkt insgesamt rötlich.

Bei allen im Bericht abgebildeten Tieren handelt es sich um P. l. lorquini. Der Ursprung des Zuchtstammes ist Mt. Peleng, Sulawesi in Indonesien.

3. Zuchtbericht

Im November 2019 erhielt ich in Indonesien ein wildes Pärchen Prosopocoilus lateralis lorquini von einem dort lebenden Käferzüchter.  Ich brachte die beiden Lucaniden schließlich mit nach Deutschland. Am 27.11.2019 wurden sie in ihre Zuchtbox gesetzt. Diese hatte 22 Liter Volumen und wurde fast bis zum Rand mit Flakesoil und weißfaulem Eichenholz befüllt. In der Natur ernährt sich die Hirschkäferart von Baumsäften und faulendem Obst. In Deutschland wurden Beetlejelly mit Bananengeschmack und auch echte Bananen sehr gut angenommen. Alle vier Tage wurde das Futter für die Käfer erneuert. Das Weibchen verstarb schon am 07.01.2020. Bei Wildfangkäfern weiß man ja leider nicht so genau, wie alt sie sind.  Die obligatorische Kontrolle der Zuchtbox folgte am 05.02.2020. Es fanden sich tatsächlich schon die ersten L3, aber auch noch einige kleinere Larven. Das Männchen war noch wohlauf. Alle Larven wurden in Dosen mit 946ml Volumen vereinzelt und weiterhin mit Flakesoil gefüttert. Das erste Weibchen schlüpfte am 23.05.2020. Das erste Männchen folgte am 15.06. Der Großteil der Käfer schlüpfte im Juli. Aus den 15 Larven entwickelten sich letztlich 7 Männchen und 8 Weibchen. Das letzte Männchen schlüpfte am 11.08.2020. Das Wildfangmännchen und damit der potentielle Vater starb im Juli 2020. Von den frischen Käfern behielt ich 5 Männchen und 6 Weibchen. Sie wurden jeweils als Trio in die Zuchtboxen gesetzt und die Männchen regelmäßig ausgetauscht. Ich verwendete in den Boxen verschiedene Arten weißfaulen Holzes in Kombination mit Flakesoil. Box 1 mit relativ weichem Buchenholz, Box 2 mit hartem Eichenholz und Box 3 mit weicherem Eichenholz. Nur Box 1 und 3 waren erfolgreich. Ich konnte hier insgesamt 40 Larven finden.

4. Überlegungen zur Haltung

4.1 Klima

Andere Käferzüchter geben für P. lateralis eine Generationsdauer von 8 bis 12 Monaten an. Dagegen waren meine Nachzuchten mit ca. 6 Monaten ein ganzes Stück schneller. Die rasante Entwicklung ist auf die warmen Temperaturen im Zuchtraum zwischen 24 und 28 °C zurückzuführen. Diese entsprechen ungefähr den Temperaturen im Herkunftsgebiet. Die Luftfeuchtigkeit in der Käferbox lag standardmäßig zwischen 60 und 80 %.

4.2 Größe

Das Wildfangmännchen war 50mm lang und hatte lange, dünne Mandibeln. Es war also telodont. Alle bisher geschlüpften männlichen Nachzuchttiere waren dagegen prionodont, d.h. hatten kurze, sägeartige Mandibeln bei einer Körperlänge von bis zu 40mm. Möglicherweise kann die Größe durch die Zufütterung von Proteinen verbessert werden. Zudem dürfte sich auch eine kühlere Haltung der Larven positiv auswirken. Dies ist ein Projekt für die nächsten Generationen.

4.3 Substrat und Besatz

Ein philippinischer Käferzüchter berichtete auf Facebook von einer erfolgreichen Nachzucht. Von einem Weibchen erhielt er 30 Eier bzw. später Larven. Auch ein Züchter in einem thailändischen Forum erzielte 25 Larven von einem Weibchen. Im ersten Fall wurde weißfaules Holz mit Flakesoil und im zweiten nur ein flakesoilartiges Substrat zur Eiablage genutzt. Der richtige Zersetzungsgrad des Holzes erscheint von großer Wichtigkeit für die Motivation des Weibchens zur Eiablage zu sein. Ab dem ersten Larvenstadium ist die Aufzucht dann sehr einfach. Es ist weiterhin nicht auszuschließen, dass sich die Weibchen gegenseitig etwas gestört haben. Beim nächsten Mal werden sie daher einzeln bzw. nur mit dem Männchen in die Zuchtboxen gesetzt.

5. Beobachtungen zur Lebensweise

Weibchen leben meist nur 4 bis 5 Monate, die männlichen Käfer dagegen 4 bis 9 Monate.  Zwischen Männchen und Weibchen konnte ich keine Aggressionen beobachten. Die männlichen P. lateralis wurden nicht zusammengesetzt um Kämpfe von vornherein auszuschließen.

6. Quellen (Abruf am 22.02.2021)

https://www.facebook.com/beetleshopphilippines/posts/final-breeding-of-prosopocoilus-lateralis-after-the-female-died-in-old-age-but-s/539927703473355/

http://www.siambeetle.com/bbs/forum.php?mod=viewthread&tid=1575

http://www.bio-nica.info/lucanidae/PROSOPOCOILUS.htm

 http://fanblogs.jp/anotherstagbeetlesofworld/archive/578/0

Zuchtbox mit Flakesoil und weißfaulem Holz

L3-Larve mit dem verstorbenen Wildfangweibchen

Wildfangmännchen mit Larven

Frisch geschlüpftes Weibchen

Auch frische Männchen sind anfangs rot gefärbt.

Fertig ausgefärbtes Weibchen

Fertig ausgefärbtes Männchen

Die Nachzuchtweibchen gleichen der Mutter und ähneln sich sehr.

Die Nachzuchtmännchen gleichen dem Vater was die Färbung betrifft, sind allerdings ein Stückchen kleiner und prionodont.

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