Seit über 10 Jahren besuche ich mittlerweile Insektenbörsen. Oftmals stand ich vor einer Dose mit Hirschkäfern, Skorpionen oder Phasmiden und begutachtete die Beschreibung. Zumeist schreibt der Wirbellosenhändler oder -züchter dann etwas von warmen, feuchten Temperaturen.  Zudem steht oftmals der Fundort „Indonesien“ oder ein anderes südostasiatisches Land auf dem Etikett.  Logischerweise habe ich mir die Tropen immer in etwa so vorgestellt:

1. Es ist extrem warm und feucht

2. Alles ist grün und mit Palmen bewachsen

3.Überall sind enorm viele spannende Insekten zu finden

Mit anderen Worten: Es herrschen paradiesische Zustände. Tatsächlich ist die Realität nicht weit von dieser Wunschidee entfernt. Davon konnte ich mich auf einer Reise nach Indonesien im November 2019 überzeugen. 

Hauptreisegrund war der Besuch meiner Schwiegereltern. Daher hatten die Insekten auf dieser Reise nicht oberste Priorität. Dennoch konnte ich viele interessante Arten finden.

Die meiste Zeit im Feld verbrachte ich in Depok. Diese Stadt befindet sich etwas südlich der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Tatsächlich leben hier 1.400.000 Einwohner. Bei der Zahl an Menschen könnte man vermuten, dass es hier nicht sehr viele Tiere gibt. Bezogen auf Affen oder Vögel mag dies stimmen. Insekten und andere Wirbellose gab es jedoch in nicht geringer Anzahl.

Schon beim ersten Lichtfang konnte ich einen gefürchteten Kurzflügler anlocken. Der als „TomCat“ bezeichnete Käfer stammt aus der Familie Paederinae. Fühlt er sich bedroht oder wird verletzt sondert er das Gift Pederin ab. Dieses führt bei Hautkontakt zu extremen Hautirritationen die mehrere Tage andauern. Durch genaues Absuchen der Umgebung konnte ich den Käfern trotz häufigem Lichtfang aus dem Weg gehen. 

Eine große Brachfläche in einer anderen Ecke von Depok. Bei Sonnenschein fliegt alle paar Minuten eine neue Schmetterlingsart über die Wiese.

Dieser Lebensraum bietet zahlreiche Versteckmöglichkeiten für Geißelskorpione und Skorpione.

Ein erwachsener Geißelskorpion (Thelyphonida sp.)

Ein kleiner, ziemlich schneller Skorpion (Liocheles cf. australasiae)

Ein Besuch des Safariparks „Taman Safari Bogor“ lohnt sich nicht nur wegen der großen Tiere. 

Schmetterlingszikaden (Bythopsyrna circulata) beim Saugen von Pflanzensaft

Insektensammlerregel Nummer 1: Ein nicht umgedrehtes Stück Holz ist ein verschwendetes Stück Holz.

Was könnte hier wohl leben?

Es handelt sich um Zuckerkäfer (Passalidae). Diese in Gruppen lebenden Käfer kommunizieren über verschiedene Zischlaute sogar mit ihren Larven.

Eine hübsche Laubheuschrecke aus der Gattung Salomona. Leider wurde das Tier scheinbar von einem Wanderer zertreten. 

Bali hat mehrere Schmetterlingsparks. Der in Tabanan besteht am längsten und ist der größte in ganz Südostasien.

Der Schmetterlingsgarten ist sehr gut ausgeschildert.

Aufgrund der tropischen Klimabedingungen ist die Anlage nur von einem Netz überspannt.

Eine typische Schmetterlingshausart: Cethosia cyane

In der Puppenstube hängen mehrere hundert Schmetterlingspuppen und -kokons

Der berühmte Atlasspinner Attacus atlas sitzt an seinem Kokon

Ein selten lebend ausgestelltes Highlight sind die Ritterfalter der Gattung Troides.

Ein frischer Amathusia virgata wartet darauf, nach draußen getragen zu werden.

Acraea terpsicore

Die Gewöhnliche Rose Pachliopta aristochliae

Papilio peranthus – Schwalbenschwänze bei der Paarung

Im Insektenhaus darf man sogar Wandelnde Blätter (Phyllium bioculatum) und Riesenstabschrecken (Phasma gigas) auf die Hand nehmen.

In der Käferhöhle gibt es neben einigen lebenden Dorcus auch Spinnen, hier Brachypelma boehmei

Im Insektenmuseum werden viele verschiedene Insekten, vor allem Schmetterlinge und Käfer ausgestellt.

Ein Kasten mit südostasiatischen Hirschkäfern

Wer gehört zu wem? Bei diesem Spiel muss der richtige Partner gefunden werden.

Kleiner Tipp: Die Lösung steht unten.

Lichtfang im balinesischen Paradies mit Sofa und Herdplatte

Ein erster Käfer ist gelandet, es ist ein Weichkäfer (Cantharidae)

Ein kleiner Bärenspinner – Amata huebneri

Ein dämmerungsaktiver Tagfalter – das Gewöhnliche Abendbraun – Melanitis leda

Das Highlight der Nacht:

Um zwei Uhr morgens fing ich an der Lampe meinen ersten tropischen Hirschkäfer.

Es handelt sich um einen weiblichen Aegus sp. 

Auf Bali gibt es auch hübsche Springspinnen (Salticidae sp.)

Was versteckt sich dort im Geäst?

Es ist eine Gottesanbeterin (Hierodula sp.)

Doch auch mit dieser Flechte stimmt irgendetwas nicht…

Sie entpuppt sich als weibliche Buschgrille (Tegra novaehollandiae)

Fazit: Ob in einer riesigen Stadt oder auch in der Nähe der Touristenstrände, interessante Wirbellose lassen sich überall in Indonesien finden. Meine Erwartungen wurden zu 100% erfüllt.  Ich komme definitiv wieder und dann geht es in den richtigen Regenwald.

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