Unter Käferzüchtern gibt es ein Mistkäferdilemma

Mistkäfer zeigen sehr interessante Verhaltensweisen. Zudem gibt es extrem schöne, juwelengleich gefärbte Arten unter ihnen. Da wäre nur ein Problem: Sie fressen eben Mist. Aus geruchlichen und hygienischen Gründen werden die meisten Käferzüchter Haltung abgeschreckt.

Ohne Mist keine Mistkäfer

Wurde nun doch ein mistkäfertauglicher Haltungsort gefunden steht man nun vor dem nächsten Problem: Woher bekomme ich den Mist? Einige Arten sind schon mit Rinder- oder Pferdekot zufrieden. Dieser ist eher einfach zu erhalten. Um exotischeren Mist zu bekommen, ist es günstig in einem nahen Tierpark oder Zoo anzufragen. Um das Leben der Käfer nicht zu gefährden, muss darauf geachtet werden, dass nur Kot von medikamenten- und wurmkurfreien Tieren genutzt wird. Man sollte sich zudem vor Augen führen, dass man das Futter für die Käfer regelmäßig benötigt. Es dient sowohl als Futter für die Imagines (d.h. die erwachsenen Tiere) als auch für die Larven. Schließlich läuft es also auf eine Art Mistabonnement hinaus.

Frische Pferdeäpfel – Mistkäferfutter und Brutsubstrat

Im Tierladen gibt es äußerst selten Mistkäfer

In meinem Leben habe ich bisher nur in einem einzigen welche im Angebot gesehen. Und dieser Laden war schon sehr auf Wirbellose versiert. Aufgrund der Futterproblematik ist die Nachfrage nach Geotrupidae, der Mistkäferfamilie, eher gering. Ab und zu werden exotische Arten als Beifang mitimportiert. Beispielsweise der Heilige Pillendreher (Scarabaeus sacer) ist in unregelmäßigen Abständen in Deutschland auf Wirbellosenbörsen erhältlich. 

Doch auch in Deutschland gibt es hübsche Arten.

Bei einem Spaziergang im Wald kann man den Gemeinen Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) und den Frühlingsmistkäfer (Trypocopris vernalis) vereinzelt bis häufig finden. Durch das Auseinanderschieben von frischen Pferdeäpfeln auf dem Waldweg erhöht sich die Fundwahrscheinlichkeit noch zusätzlich. Also fiel meine Wahl auf den Frühlingsmistkäfer.

Eine größere Geotrupes-Art (oben links), zehn Frühlingsmistkäfer (Trypocopris vernalis) und eine kleinere Mistkäferart (Onthophagus sp.) (unten rechts).

Das Mistkäferterrarium im Freiland

Bei allen Zoos und Haltern die bisher Geotrupidae gezüchtet haben ist eine Grundregel erkennbar: Die Substrattiefe ist extrem wichtig. Die adulten Käfer legen tiefe Stollen im Boden an, die mit Mist gefüllt werden. Dieser wird dabei oftmals besonders geformt. Das berühmteste Beispiel ist der Heilige Pillendreher, der tadellos runde Kugeln formt.

Aus diesem Grunde schlug ich ein paar Löcher in den Boden einer alten Regentonne und vergrub sie kurzerhand im Garten. Der Standort  im Schatten unter Apfel und Pflaumenbäumen stellte sicher, dass die Tiere nicht überhitzen. Ein Regentonnendeckel mit Fenster in Kombination mit etwas Fliegengaze diente als Beobachtungsfenster. Die zuvor ausgehobene Erde wurde in die Tonne gefüllt. Hinzu kamen eine Wurzel, der gesammelte Zuchtansatz Mistkäfer, sowie aller paar Tage etwas Pferdemist. Aufgrund ihrer Tagaktivität ließen sich die Käfer sehr gut beobachten. Neuer Mist wurde schnell durchgraben und „untertage“ gebracht.

Dieses System wurde beibehalten bis keine Käfer mehr an der Erdoberfläche sichtbar, d.h. die Elterngeneration gestorben war. Über den Winter wurde der Deckel mit dem Ausschnitt, etwas Holz und ein paar Steinen bedeckt.

Das sollte genügend Substrattiefe sein.

Der Deckel ist mit stabilen Drahtheringen fixiert.

Die Käfer können einziehen.

Da es sich nicht um Schwimmkäfer handelt, muss der Regen natürlich ablaufen können.

Bei näherer Betrachtung kann man sehr gut durch die Gaze durchsehen.

 Im Frühjahr kam dann die nächste Frühlingsmistkäfergeneration in größerer Zahl ans Licht. 

Die zusätzlich über den Kot eingetragenen Onthophagus sp. und eine andere Geotrupidae  vermehrten sich nicht. 

Frühlingsmistkäfer sind sehr aktive Pfleglinge.

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