Allgemeines

Der Bärenspinner Amata mogadorensis wurde im Jahre 1908 von Blachier beschrieben. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Marokko und Algerien. Er ist nah mit dem in Süd- und Mitteleuropa verbreiteten Weißfleck-Widderchen (Amata phegea) verwandt.

In den meisten Fällen sind die weiblichen Falter größer als die Männchen und erreichen eine Flügelspannweite von bis zu 40mm. Die Raupen erreichen eine Körperlänge von bis zu 30mm.

Haltungsmethodik

Zuchtbehälter

Für 10 Falter eignet sich eine Plastikdose mit den Maßen 30 x 20 x 20 cm*. Diese sollte zur Verteilung der weiblichen Pheromone ein oder noch besser zwei Gazefenster aufweisen. Bis zu 40 Falter lassen sich zusammen in einem Flugkäfig mit den Maßen 40 x 40 x 60 cm* halten. Die Eier werden nach einem Tag angesprüht und in eine Petrischale oder ein anderes leeres sehr kleines Gefäß übertragen. Durch tägliches Anhauchen erhalten sie die notwendige Luftbewegung und Feuchtigkeit. Schlüpfen die Eiraupen, so werden jeweils 100 Tiere in Petrischalen mit Kunstfutter oder Blattmaterial verteilt. Nachdem sie groß genug sind können sie in weitere Petrischalen oder größere Behälter umgesetzt werden. Nach jeder Häutung werden dien wachsenden Raupen weiter aufgeteilt. Für fünf L5 sollte mindestens eine Heimchendose mit den Maßen 11 x 11 x 6 cm * zur Verfügung stehen. Zehn Raupen lassen sich bis zur Verpuppung in einer Zuchtdose mit den Maßen 17,8 x 13,8 x 9,3 cm * halten. Die Lüftung sollte dabei zu 2/3 mit etwas Plastikfolie abgeklebt werden. Beginnen die Raupen zu wandern, so werden einige zerknüllte Toilettenpapierblätter in der Dose deponiert. Hier legen sie dann ihre Gespinste an. Diese Verpuppunghilfen werden täglich gewechselt um ein Anfressen der Vorpuppen sicher auszuschließen. Ein leichtes Sprühen vermindert Fehlhäutungen. Die fertigen Puppen können im Kokon belassen oder entnommen um auf Kokoshumus im Puppenkasten (siehe hier) gelagert werden. Sollen die Kokons an den Toilettenpapierstückchen verbleiben, so können diese auch direkt in den Flugkäfig gelegt und täglich leicht besprüht werden.  Für den Schlupf des Falters ist es vor allem wichtig, dass er an einer rauen Wand emporklettern kann.

* (Länge x Breite x Höhe)

Temperatur, Beleuchtung und Lüftung

Die Temperatur sollte tagsüber bei 22 bis 27°C und nachts bei 18 bis 24°C liegen.

Es ist keine besondere Beleuchtung notwendig, die Falter paaren sich bei normalem Zimmerlicht. Allerdings sollte der Raum eine gute Luftzirkulation aufweisen. Dadurch kann das Männchen der Pheromonspur des Weibchens folgen.

Feuchtigkeit

Abgesehen vom Puppenstadium sollte A. mogadorensis relativ trocken gehalten werden. 50 bis 70 Prozent Luftfeuchte sind optimal.

Futterpflanzen der Raupen

A. mogadorensis ist extrem polyphag. Die Raupen fressen viele verschiedene niedere Pflanzen z.B. Löwenzahn (Taraxum sp.), Wegerich (Plantago sp.), Brennnessel (Urtica dioica) sowie Brom- und Himbeere (Rubus sp.).

Allerdings ist das Futter nicht nur auf Pflanzen beschränkt. Es gibt Erfahrungen anderer Züchter, dass die Raupen auch Mehlwürmer, Heimchen und Gehacktes fressen. Ein reisender Schmetterlingszüchter konnte einige Freilandraupen mit einigen feuchten Taschentüchern zur Verpuppung bringen. Die Art ist offensichtlich sehr robust und kann dadurch extreme Situationen überstehen. Dies soll jedoch keine Empfehlung sein solche Futtermittel zu verwenden.

Gerade bei Überbesatz kann es zu Problemen mit den omnivoren Raupen kommen. Durch ausreichend Platz und die reichhaltige Fütterung mit Kunstfutter gab es kaum Verluste durch das Fressen der Artgenossen. Beim Verfüttern von Mairübchenblättern (Brassica rapa subsp. rapa var. majalis) aus dem Supermarkt kann dieses scheinbar kannibalische Verhalten durch die Zugabe kleiner Mengen  Kunstfutter eingedämmt werden.

Fütterung der Falter

Zur Fütterung der Falter eignen sich flache Schalen oder Deckel von Eimern. In diese werden in 10%iger Zucker- oder Honiglösung getränkte Wattebällchen oder Zellstoff gelegt. Einige Falter suchen diese Station selbst auf, andere müssen einmal täglich vorsichtig auf ihr Futter gesetzt werden. Dann beginnen sie selbstständig zu saugen. Das Aufnahmemedium und die Futterlösung werden täglich erneuert.

Zucht

Entwicklungsdauer

Bei 24 bis 26°C und der Nutzung von Kunstfutter entwickelt sich A. mogadorensis im Durchschnitt folgendermaßen:

Eiruhe

5 Tage

L1

4 Tage

L2

4 Tage

L3

4 Tage

L4

5 Tage

L5 (fressend)

7 tage

Wanderphase

1 Tag

Vorpuppenphase

1 Tag

Puppenruhe

12 bis 14 Tage

Zeit vom Schlupf bis zur Paarung

wenige Stunden

Lebensdauer als Falter

bis zu 2,5 Wochen

Die Abkürzungen L1 bis L5 stehen für die Larvenstadien 1 bis 5. Eine frisch aus dem Ei geschlüpfte Raupe ist in L1. Dann häutet sie sich mehrfach bis sie sich schließlich nach L5 verpuppt.

Falter

Die Falter sind tagaktiv. Während die Weibchen wenig fliegen, schwirren die Männchen auf der Suche nach diesen gemächlich durch den Flugkäfig.

Bei kühler Haltung werden die Falter bis zu 4 Wochen alt.

Verpaarung

Die erste Paarung erfolgte nur wenige Stunden nachdem das erste Pärchen ausgehärtet war. Die Falter bleiben bis zu 15 Stunden in Kopula. Weibchen paaren sich mehrfach.

Eiablage

Die Eiablage erfolgt 2 bis 3 Tage nach der Paarung. Das Weibchen klebt Eispiegel mit durchaus mehr als 100 Eiern an die Innenwände des Flugkäfigs. Zur Stimulation der Eiablage sind keine Futterpflanzen notwendig.

Überwinterung?

Über die Überwinterung im Freiland ist wenig bekannt. Allerdings lässt sich die Art sehr gut ohne Diapause vermehren.

Eignung als Futtertier

Die Falter eignen sich gut als Futtertier für Mantiden, Spinnen und Reptilien. Sicherheitshalber sollten allerdings ohne Kunstfutter gezüchtete Tiere verfüttert werden. Die effektivste Variante ist einen kleinen, einfach zu pflegenden Zuchtstamm auf Kunstfutter zu halten und von diesen Tieren regelmäßig Eier zur Aufzucht als Futtertier zu entnehmen.

Fazit

Die Zucht von Amata mogadorensis ist sehr einfach und bereitet viel Freude. Es werden keine großen Zuchtanlagen benötigt. Die Futterpflanzen lassen sich auf jeder Wiese oder sogar im Supermarkt finden. 

Literatur

http://www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Amata_Mogadorensis

Ältere Falter an der Futterstation

Die Farbe der Eier verändert sich im Laufe der Entwicklung von hellgelb über hellorange zu grau. 

Schon die Eiraupen (L1) sind leicht behaart.

In L2 werden es langsam mehr Haare.

In L3 sind es dann richtige Borsten.

Die L4 bilden ein richtiges „Bärenfell“ aus,…

…das in L5 nochmals dichter wird.

Zerknülltes Toilettenpapier ist der ideale Verpuppungsplatz. Die Raupen bauen lockere Gespinste und weben einen Großteil ihrer Haare mit ein. 

Aus den Gespinsten entnommene oder herausgefallene Vorpuppen und Puppen können bis zum Aushärten auf feuchtem Küchenpapier gelagert werden. 

Die fertigen Puppen weisen verschieden dunkle Brauntöne auf. 

Die frischen Falter sind nicht besonders groß, aber mit ihrem blau-roten Glanz äußerst ansprechend gefärbt. 

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