Verschleppungnach Mitteleuropa

Urprünglich ist die Noble Falsche Witwe in Südeuropa heimisch. Sie lebt auf den Kanaren, in Sardinien, Portugal und Nordafrika. Vermutlich über den Transport mit Obst und Pflanzen konnte sie auch nach Großbritannien und Deutschland gelangen. Wo es warm genug ist kann sie überleben. Optimal sind beispielsweise Gartenmärkte, Gewächshäuser und dauerhaft warme Gebäude in der Großstadt. Bei einem Londonaufenthalt im Sommer 2017 konnte ich innerhalb von 5 Wochen 4 Tiere finden. Sie saßen in Fettspinnenmanier in Netzen an der Fassade von Gebäuden. Ich nahm ein Weibchen mit nach Deutschland.

Die Witwe in der Dose

Die Spinne wurde in eine Ananasdose gesetzt. Das ist ein Becher mit 946ml Volumen. Der Deckel wurde mit einem 5mm weiten Loch versehen und mit Watte abgedichtet. Als Einrichtung gab es ein Stück Papier. Dieses wurde ins Netz eingearbeitet und dient der Spinne nun als Versteck. Zudem baute sie ihr Netz in der gesamten unteren Hälfte der Dose. Die Fütterung erfolgt mit Mehlkäfern und deren Larven, Nachtfaltern und auch Fliegen. Bald baute die Witwe ihren ersten Kokon, dem dann noch fünf weitere folgten.  

Eine Menge Jungspinnen

Pro Kokon schlüpfen 30 bis 70 kleine Spinnen. Nach ein paar Tagen im Versteck der Mutter verteilen sie sich in der ganzen Dose. Jetzt sollten die Jungspinnen vereinzelt werden, sonst fressen sie einander. Sie nehmen sofort Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) an und wachsen schnell.

Schwarz, bunt und wieder schwarz

Direkt nach dem Schlupf sind die Spinnen schwarzbraun gefärbt (links unten im oberen Bild). Mit den nächsten Häutungen verändern sie ihre Färbung. Die Variabilität reicht von weiß, grau, rotbraun bis orange.

Haltungsparameter

Die Haltung erfolgt bei 18 bis 26°C. Die Tiere sind aufgrund ihrer südlichen Herkunft nicht sehr feuchtigkeitsbedürftig. Einmal im Monat wird das Netz ganz leicht besprüht.

Das erste Männchen

Subadulte und adulte männliche Tiere sind aufgrund ihrer schlanken Körperform einfach als solche zu erkennnen. Zudem sind die Pedipalpen sehr stark ausgeprägt.

Das erste Date

Zur Verpaarung der jungfräulichen Spinnen sollten beide Tiere nach ihrer Adulthäutung mindestes zwei Wochen gut gefüttert werden. Das Weibchen im Foto ist sogar schon etwas länger adult und hat einen unbefruchteten Kokon gebaut. Nun wird also das Männchen in den Behälter des Weibchens gegeben. Er sucht nun den Eingang des Verstecks des Weibchens. Das Männchen beginnt eine Art Tanz.

Spinnen auf Tuchfühlung

Er zieht bestimmte Fäden am Netz und schüttelt seinen Hinterleib um nicht als Beute angesehen zu werden. In diesem Bild sind die großen Pedipalpen des Männchens sehr gut zu erkennen.

Paarungserfolg

Schließlich führt das Männchen seine Bulben nacheinander in die Epigyne d.h. die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein. Dieser Vorgang dauerte insgesamt eine Stunde. Verlässt das Männchen wieder das weibliche Netz, so kann er wieder zurück in seinen Behälter gegeben werden. In den nächsten Wochen baut das Weibchen dann einen befruchteten Kokon. 

Nicht ganz so schlimm wie ihr Ruf

Sucht man im Internet nach Informationen über die Noble Falsche Witwe, so findet man allerlei Horrorgeschichten. Sie klingen alle ungefähr so: „Giftspinnen wandern im Blumentopf nach Deutschland ein“ (https://www.jumpradio.de/thema/gift-spinne-verbreitet-sich-in-deutschland-100.html Abruf 15.10.2019 7:00 Uhr). Hier wird der Gruselfaktor nur in der Überschrift genutzt. Der Artikel selbst warnt vor Panikmache. In Großbritannien dagegen ist diese dagegen stärker ausgeprägt. Ein Artikel in „The Sun“ (https://www.thesun.ie/news/4341777/insect-spider-noble-false-widow-waterford-women/ Abruf 15.10.2019 7:00 Uhr) trägt folgenden Titel: „Tödliches Gift: Insektenexperte warnt vor den Gefahren der Noblen Falschen Witwenspinnen nachdem zwei Frauen aus Waterford wegen schwerer Bissverletzungen behandelt wurden“. 

Der aktuelle Stand der Spinnenforschung besagt allerdings, dass der Noble Falsche Witwenbiss in den meisten Fällen nicht schlimmer als ein Wespenstich ist. Er ist von Rötungen, Schwellungen und Hautjucken begleitet, verschwindet wohl aber nach 12 bis 24 Stunden. Es gibt keine systemischen Effekte. 

Dahingehend ist die Art eine Alternative für Spinnenfreunde, die gerne Kugelspinnen halten möchten, aber vor den Echten Witwen (Latrodectus sp.) zuviel Respekt haben. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.