Die Umgebung des Fundorts

Was macht der Käferzüchter, wenn er einen Baumstamm mit Mulm und großen Larvenkötteln erblickt ?

Ganz klar --> Er gräbt, um herauszufinden was denn da geköttelt hat. Umso spannender ist die Situation, wenn es sich um einen Stumpf in einem tropischen Land handelt. Im November 2019 fand ich einen mit Mulm gefüllten Palmenstumpf in Depok, Indonesien.

Der Fundort – weicher Mulm bis in vierzig Zentimeter Tiefe

Bis zum Ellenbogen tief im Baumstumpf liegt der Erfolg… Beim Durchsuchen des Substrats fanden sich 12 dicke Dynastidenlarven und 2 halbe Käfer.

Sofort packte ich die Larven ein. Nun begutachtete ich die Käfer, die Eltern oder zumindest Verwandte der Larven sein könnten. Form und Fundort ließen mich eine Art Oryctes, d.h. einen Nashornkäfer vermuten. Ein indonesischer Käferzüchter bestätigte meine Bestimmung. Es handelte sich also um Oryctes rhinceros – den Palmennashornkäfer. 

Die Larven aus nächster Nähe

Halbe Palmennashornkäfer

Auch in der Stadt Kuta, auf Bali konnte ich ein Exemplar der walzenförmigen Käferart finden.  Es war allerdings leicht geplättet. Scheinbar flog der Käfer an eine Straßenlampe an und wurde vom Verkehr überrollt..

Das Verkehrsopfer

Die mitgenommenen Larven wurden in Deutschland jeweils zu zweit in 5-Liter-Eimer mit Blacksoil überführt. Vier Larven wurden abgegeben.
Bei einem Substratwechsel 25. Januar 2020 konnte ich die erste Puppe entdecken. Der Kokon wurde direkt mit einem Fenster an die Wand des Eimers gebaut.

Der von der Eimerwand abgepflückte Kokon wurde mit einem festen Substratklumpen verschlossen

Schon am 18. Februar 2020 schlüpfte der Käfer. Am 19. Februar war er ausgehärtet und schwarzbraun. Die Behaarung am Ende des Abdomens zeigt an, dass es sich um ein weibliches Tier handelt. Tatsächlich handelt es sich um Oryctes rhinoceros.

Kurz nach der Häutung zum Käfer ist die Grundfarbe immernoch ein rötliches Braun

Entsprechend JACKSON(2020) ist die Art weit verbreitet und kommt in Süd- und Südostasien, Ozeanien, Papua-Neuguinea, Samoa, Fiji, Hawaii, sowie auf den Salomonen und einigen anderen pazifischen Inseln vor. Es handelt sich um eine in den Tropen invasive Art, die als Schädling betrachtet wird. Die erwachsenen Käfer bohren sich in die Krone großer Palmen ein und ernähren sich vom Saft. Dadurch werden die Palmen durchaus stark geschädigt und können keine gesunden Blätter entwickeln. Auch die Blüten werden geschädigt, wodurch es zur Verringerung der Erträge, z.B. der Kokosnussernte kommen kann. Aus diesem Grunde wird die Art in ihrem Verbreitungsgebiet stark verfolgt.

Die langen Haare am Abdomen zeigen, dass es sich um ein Weibchen handelt.

Für den Käferzüchter handelt es sich allerdings um eine hübsche, schwarzbraune Riesenkäferart. Mit circa vier Zentimetern Körperlänge handelt es sich um mittelgroße Tiere. Für den deutschen Käferzüchter sind sie eine gute Alternative zum Europäischen Nashornkäfer – Oryctes nasicornis. Dieser ist laut Bundesnaturschutzgesetz in Deutschland besonders geschützt, kann also nur mit behördlicher Genehmigung gepflegt werden. Weiterhin braucht man sich bei der Pflege des Palmennashornkäfers keine Gedanken um eine Diapause machen. Der Europäische Nashornkäfer braucht für seine Entwicklung drei bis fünf Jahre. Der Palmennashornkäfer schafft sie innerhalb eines Jahres. 

Das Horn eignet sich nicht zur Geschlechtsunterscheidung.

Am 09. März 2020 fand ich eine weitere Puppe und zwei Larven im Vorpuppenstadium.

Vorpuppe in der Puppenwiege

Eine männliche Puppe in ventraler Ansicht

Dorsale Ansicht derselben Puppe.

Das Männchen schlüpfte am 26.03.2020 und wurde am 15.04 aktiv. Am 28.04 wurde es mit drei Weibchen zusammengeführt. Eine 30-Liter-Box mit sehr reifem Flakesoil und weißfaulem Holz dient als Zuchtbehälter. Die Käfer werden mit Bananen und Beetlejelly gefüttert.

Von oben betrachtet sehen sich Männchen (links) und Weibchen (rechts) sehr ähnlich.

Bei der genauen Betrachtung des Abdomens ist die Lage klar: 

Das Männchen (links) besitzt gegenüber dem Weibchen (rechts) kaum Behaarung. 

Ein weiteres Weibchen ist geschlüpft.

Zwei Tage nach dem Schlupf sind die Elytren noch ziegelrot gefärbt. 

Ein Einblick in die halbfertige Zuchtbox

Kaum eingesetzt, vergraben sich die Käfer. Allerdings lassen sie sich jede Nacht am Futter beobachten.

Die erste Kontrolle der Zuchtbox erfolgte nach 48 Tagen, am 15.06.2020. Alle vier erwachsenen Käfer leben und sind vital. Es fanden sich weiterhin 9 Eier, 2 L1, 129 L2, sowie 2 frische L3-Larven. Somit ist die nächste Generation definitiv gesichert.

Zur gleichen Zeit existieren Eier (unten links), L1 (unten rechts), L2 (oben links) und L3 (oben rechts) in der Zuchtbox.  

Die Eiablage erfolgte im Substrat. Die geschlüpften Larven bohrten sich dann ins Holz und verteilten sich auch im gesamten Flakesoil. 

Quellen (Abruf am 09.03.2020 um 15 Uhr)

Jackson, G. (2020): http://www.pestnet.org/fact_sheets/coconut_rhinoceros_beetle__oryctes_108.htm

 

4 Idee über “Der perfekte Nashornkäfer? – Die Zucht des Palmennashornkäfers (Oryctes rhinoceros)

  1. Niklas sagt:

    Hallo,
    erstmal echt cooler Bericht und ich habe eine frage, müssen die Larven einen Stamm in ihrer box haben oder geht auch einfaches Substrat wie Flakesoil oder Laubwald Humus mit WfH ?.
    MfG Niklas

    • Oliver sagt:

      Hallo Niklas,
      freut mich, dass er dir gefällt. Ein paar kleine WFH-Stücke im Flakesoil reichen schon um die Weibchen zur Eiablage zu animieren. Die Art ist wirklich sehr einfach zu züchten.
      Beste Grüße
      Oli

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