Systematik

Der 1885 von Maclay beschriebene Australische Prachthirschkäfer ist ein Käfer (Ordnung Coleoptera) aus der der Familie der Schröter (Lucanidae). Er ist die einzige Art seiner Gattung.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Art beschränkt sich auf die Regenwaldgebiete im Norden Queenslands. Es umfasst laut WOOD et.al.(1996) 7190 Quadratkilometer.

Aussehen

Die Größe der Tiere variiert zwischen 23 und 75mm. Dabei sind die Weibchen kleiner als die Männchen. Beide Geschlechter glänzen je nach Lichteinfall metallisch grün oder rot. Die Männchen haben verlängerte Mandibeln. Bei den Weibchen sind sie kurz. Vor allem die Vorderbeine besitzen gezackte Ränder. Das Pronotum der Männchen ist glatt, das der Weibchen mit einer Linie überzogen. Die Puppen von P. muelleri, aber auch die der Gattung Lamprima unterscheiden sich in drei Merkmalen von anderen Hirschkäferpuppen. Sowohl Kopf als auch Vorderbeine sind wie im Adultstadium ausgerichtet und nicht in Richtung Abdomen geklappt. Das männliche Genital ist wie ein Korkenzieher geformt. Außerdem haben die Mandibeln beim Schlupf noch nicht ihre volle Größe. Sie werden erst durch das einströmen der Hämolymphe zur vollen Größe gestreckt. Die Larven sind engerlingsartig mit einem langgezogenen Abdomen und einer hellbraunen Kopfkapsel. Eier sind durchscheinend weiß mit einem Durchmesser von 2-4mm.

Rotlinge sind bei Phalacrognathus muelleri nicht selten.

Besatz

Typisch für Hirschkäfer sind die Kämpfe um Futterstellen mit ausfließendem Baumsaft und damit verbunden auch die Weibchen. Hierbei versuchen die männlichen Tiere den Rivalen mit den Mandibeln zu umschließen und auszuhebeln. Dann wird er mit einem Ruck vom Baum geworfen. Den Weibchen gegenüber verhalten sich die Männchen friedlich. Sie töten ihre Weibchen nicht. LAI et.al.(2008) empfehlen die Männchen nach einer Woche aus der Box des Weibchens zu entfernen um zu verhindern, dass diese durch die häufigen Paarungen erschöpft sind. Dies ist meiner Ansicht nach nur bei paarweiser Haltung in kleinen Boxen nötig. In den von mir beschriebenen Zuchtbehältern kann ein Männchen mit bis zu drei Weibchen vergesellschaftet werden. Diese vergraben sich bei Bedarf oder nutzen eine andere Futterstelle.

Futter

In der Natur ernähren sich die Larven von weißfaulem Holz 27 verschiedener Baumarten. Dazu gehören laut WOOD et. al.(1996) in vielen Fällen Ceratopetalum succirubrum und Caldcluvia australiensis. Diese sind mit Pilzen aus der Familie der Lackporlingsverwandten (Ganodermatacae) und Stielpolingsverwandten (Polyporacae) besiedelt. Weißfaules Holz erkennt man an einem „pilzartigen“ Geruch, leichtem Gewicht und heller Farbe. Die Struktur ist aufgrund der Zellulosebestandteile faserig. Buche (Fagus sp.) und Eiche (Quercus sp.) sind in Deutschland verfügbar und am besten geeignet. Unter Punkt 4.4wird die Nutzung des Pilzholzes weiter erläutert.
Die Käfer fressen in der Natur Baumsaft und Eukalyptusblüten.
Japanisches Beetlejelly, ein Gelee aus Wasser, Zucker, Fruktose, Seealgenextrakt, Aminosäuren Fruchtsaft, Zitronensäure, Natriumcitrat und Farbstoffen, eignet sich als Alleinfuttermittel.
Die Fütterung der Käfer erfolgt ansonsten mit Obst d.h. Banane, Kiwi und Mango. Zudem können auch Ahornsirup und Honig gereicht werden. Um den Proteinanteil zu erhöhen kann Eiweißpulver in das restliche Futter gemengt werden.

Terrarium und Larvenbehälter

Zur Haltung Australischer Prachthirschkäfer haben sich die in der Käferzucht üblichen Kunststoffboxen bewährt. Verschiedene Größen erlauben eine Anpassung an die Zuchtgruppe. Die Behälter lassen sich leicht reinigen und desinfizieren. Zudem sind sie wasserdicht, oder mit entsprechend vielen Löchern versehbar. Außerdem können von außen die Vorgänge im Substrat beobachtet werden. Bereits mit 22 Litern Volumen sind sie als Eiablagebox für ein Weibchen geeignet. Für eine Zuchtgruppe von einem Männchen, sowie drei Weibchen nutze ich Boxen mit 44,2 Litern Volumen. Um die Käfer allerdings besser zu beobachten zu können, lassen sich diese in ein Kunststoffterrarium mit Glasscheiben einschieben. Insgesamt ist es 42cm breit, 35cm tief und 76 cm hoch. Somit können verschiedene Klettermöglichkeiten eingebracht werden.
Werden die Larven vereinzelt, so können sie in Kunststoffdosen mit 800 bis 1000ml untergebracht werden. Es muss auf eine ausreichende Dicke der Wände geachtet werden, sodass die Larven sich nicht durch den Kunststoff nagen. In den Deckel wird ein 4mm großes Loch gebohrt. Dieses wird mit etwas Watte verschlossen. So können keine Trauermücken in das Larvensubstrat gelangen. Ihre Larven können bei großem Auftreten die Puppenwiege zum Einsturz bringen.

Zucht und Substrat

Der wichtigste Einrichtungsgegenstand der Zuchtbox ist das Substrat. . Es gibt unter Käferzüchtern verschiedene Ansichten ob die Prachthirschkäfer nun Substratleger oder Holzleger sind. Meiner Erfahrung nach werden beide Materialien genutzt. 

Ein Substrat aus leicht zu findenden Materialien setzt sich aus einer Bodenschicht von 5cm Erde und darauf 20-25cm stark zerkleinertem, dann stark verpresstem, weißfaulen Holz zusammen. Zudem können noch einige weißfaule Holzstücke eingegraben werden. Die Verwendung von direkt aus der Natur entnommenen Substraten birgt allerdings die Gefahr Krankheiten oder Parasiten mit einzuschleppen. Vermeintlich wirksame Gegenmaßnahmen wie Backen, Einfrieren und Kochen stören das Gleichgewicht der Mikroorganismen. Dadurch wird es anfällig für Schimmel und somit unbrauchbar.

Eine aufwendigere Lösung ist die Nutzung von Flakesoil, einem Kunstsubstrat, sowie Holz aus der Pilzzucht. Flakesoil sind mit Hilfe von Bakterien fermentierte Holzspäne. Im japanischen Küchenkomposter zubereitet ist das Substrat nach 8 Wochen nutzbar. Als Eiablagestämme eignen sich je nach Größe 3 bis 10 jährige Hölzer die mit Schmetterlingstramete (Trametes versicolor) oder Seitlingen (Pleurotus sp.) beimpft wurden. Zu diesem Zeitpunkt ist das Holz nutzbar für die Weibchen.  Schließlich wird die Box bis zur Hälfte mit Flakesoil gefüllt. Darin werden 20cm lange, 10cm dicke Holzteile eingegraben. Nun wird die Box bis 4cm unter den Rand mit Flakesoil aufgefüllt. Zuletzt wird das Substrat stark angepresst.

Die rundliche Körperform der weiblichen Käfer ermöglicht es ihnen nur, sich in relativ weiches Holz einzubohren.  Hierbei nagen sie mit den Mandibeln kleine Späne aus dem Holz. Dadurch entstehen Gänge. In diese werden die Eier einzeln gelegt und anschließend verpresst.

Entsprechend LAI et.al. (2008) sollten die Larven alle zwei Monate nach dem Einsetzen des Weibchens umgesetzt werden. Bevor es in einen neuen Eiablagebehälter kommt, wird es für eine Woche gefüttert und soll sich erholen. Bei dieser Verfahrensweise, wird man bei der Verwendung von Holz große Mengen Holz zerbrechen, die somit nicht mehr als Eiablagemedium nutzbar sind. Es besteht die Gefahr, dass Eier zerdrückt werden. Zudem sind die Larven des ersten Stadiums sehr empfindlich gegenüber Veränderungen des Substrates. Dadurch steigt die Verlustrate. In jedem Falle muss ein Teil des Substrates aus dem Eiablagegang mit der Larve in das neue Substrat verbracht werden. Das Weibchen hat hier über seinen Kot Mikroorganismen eingebracht, die notwendig für die Darmflora der frischgeschlüpften Larve sind. Diese Symbiose erlaubt ihr, das zellulosereiche Futter zu nutzen.

Meiner Erfahrung nach, ist es optimal Weibchen vier Monate in der Box zu belassen. Dann sind schon die ersten Larven im dritten Stadium zu finden. Diese sind wesentlich unempfindlicher, was die Umsiedelung betrifft.

Die Larven des Prachthirschkäfers sind bei ausreichend vorhandenem Futtersubstrat nicht kannibalisch. Dennoch führt eine Vereinzelung in Dosen mit Flakesoil und die Zufütterung von getrockneten  Seidenraupenpuppen oder Bachflohkrebsen zu größeren Imagines.

In seinem Leben kann ein Weibchen bei entsprechender Fütterung und Zuchtboxengestaltung über 100 Eier legen. Nach der Ablage des Eis, dauert es 30 Tage bis die Larve schlüpft. Das erste Larvenstadium dauert ebenso 30 Tage. Das zweite Larvenstadium dauert 45  Tage. Die Dauer des dritten Larvenstadiums variiert geschlechterspezifisch. Insgesamt dauert die Larvalentwicklung bei Weibchen 6 Monate und bei Männchen 8 bis 10 Monate. Die Verpuppung erfolgt in einer ovalen Kammer im Holz oder im Flakesoil am Behälterboden. Nach 30 Tagen schlüpft der Käfer. Dieser ist für weitere 30 Tage inaktiv. Nach drei Monaten können die Tiere verpaart werden. Diese von LAI et.al.(2008) beobachteten Zeiten decken sich mit denen in meiner Zucht.  Seinen Angaben nach leben die Käfer aktiv bis zu 1,5 Jahre. in meiner Zucht konnte ich sogar ein Männchen, das über zwei Jahre alt wurde feststellen.

Eine Dose mit Flakesoil

Boxeneinrichtung

Damit die Käfer sich wieder aufrichten können, wenn sie auf den Rücken fallen, sollte die oberste Substratschicht etwas uneben sein. Ansonsten können Laub (bei der Verwendung von „Natursubstrat“) oder wärmebehandelte Korkeichenrinde (bei der Verwendung von „Kunstsubstrat“) verwendet werden.

Flüssiges Futter kann in eine kleinen Schale angeboten werden. Beetlejelly kann in Rindenlöcher geklemmt und so verfüttert werden. Ohne Futterbehälter vergraben die Käfer das Futter. Dadurch vermehren sich die in jedem Substrat vorhandenen Sandmilben. In großen Mengen können sie zur Belastung für die Larven werden, da sie an den Tracheenöffnungen Hämolymphe saugen.

Die Rückwand sollte zum Klettern nutzbar sein. Dazu verwende ich Baumfarnplatten (Xaxim) oder Kork. Sie sollten nicht mit Pestiziden behandelt sein. Als Versteckmöglichkeiten für die Käfer eignen sich Rindenstücke und Pflanzen, z.B. Ficus minima oder Ficus pumila. Rindenstücke können mit Chitosanlösung bestrichen werden um ein Schimmeln zu verhindern.

Ein alternatives Schauterrarium – hier sind nur wenige Larven zu erwarten, aber die Käfer sind gut zu beobachten. 

Temperatur

Während die Imagines Temperaturen von 10°C bis 30°C kurzzeitig tolerieren, sind diese Extreme für die Larven äußerst ungünstig. Dabei stellen Weibchen die Eiablage ein. Als optimale Haltungstemperatur geben LAI et.al.(2008) 22°C bis 26 °C an. Die Temperatur sollte über die Raumtemperatur reguliert werden, da Heizmatten das Substrat austrocknen.

Beleuchtung

Die Art ist vor allem nachtaktiv. Allerdings fressen vor allem ältere Männchen auch tagsüber. Daher sind keine Lampen notwendig. Allerdings können beispielsweise T5-Leuchtstoffröhren zur ansprechenderen Ausleuchtung des Terrariums und den Pflanzen als UV-Lichtquelle dienen.

Feuchtigkeit

Die relative Luftfeuchtigkeit lässt sich durch die Zugabe von Wasser in das Substrat regeln. Damit die Käfer nicht austrocknen sollte sie über 60 Prozent betragen.

Quellen

Lai J., Shin-Ping K., Meier K.(2008): For the Love of Rhinoceros and Stag Beetles, Second Edition Morning Star Publisher Inc., Taipei, Taiwan

Wood G.A.,Hasenpusch J., Storey R.I.(1996): The Life History Of Phalacrognathus Muelleri (Maclay) (Coleoptera: Lucanidae, Australian Entomologist 23 (2) Hangay,

G., Zborowski, P.(2010): A Guide To The Beetles Of Australia, CSIRO Publishing, Victoria, Australia

http://kaeferforum.com/wbb/lucanidae-hirschk-fer/83-phalacrognathus-muelleri/ Abruf 10.03.2017 15-20 Uhr

eigene Erfahrungen

2 Idee über “Der Australische Prachthirschkäfer – Phalacrognathus muelleri Wissenswertes zur Haltung und Zucht

    • Oliver sagt:

      Hallo Franz,
      P. muelleri gibt es planmäßig in ca. 7 Monaten wieder im Angebot. Mit etwas Glück könnte es auch früher werden.
      Beste Grüße
      Oli

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