Gefangen am Leuchtturm

Die Zentrale Arbeitsgemeinschaft Wirbellose ist ein Verein der sich mit Arthropoden beschäftigt. Regelmäßig werden Kartierungsaktionen z.B. im Rahmen der Europäischen Falternächte durchgeführt. Ab und zu gehöre ich zu den Schmetterlingsbestimmern. Bei einem Nachtfangworkshop wurde das im weiteren besprochene Tier gesammelt.

Das schwarze C (Xestia c-nigrum) ist beim Nachtfang in Deutschland eine der häufigsten Eulenarten. 

Die Art gehört zu den Erdeulen. Die Raupen fressen eine Reihe verschiedener Pflanzen und halten sich zumeist am Boden auf. Die Falter lassen sich sowohl mit Licht als auch mit einem Streichköder gut anlocken.

Die Falter sind einfach anhand ihrer Vorderflügelmarkierung in Form eines schwarzen „C“s zu identifizieren. 

Auf den ersten Blick erschien der gefangene Falter nicht außergewöhnlich. Auf dem Spannbrett, beim Ausbreiten der Fühler, zeigte sich allerdings etwas Sonderbares:

Der Falter hat doch tatsächlich drei Fühler

Der linke Fühler, sowie alle Beine sind ganz regulär entwickelt. Der rechte Fühler dagegen ist im Scapus, d.h. dem ersten Fühlersegment geteilt. Von dort entspringen zwei Fühler. Einer ist halb und einer dreiviertel so lang, wie ein regulärer Fühler.

Wie oft gibt es solche Aberrationen?

Bei der Recherche in Schmetterlingssammlerforen konnte ich bisher noch niemanden finden, der solch ein Tier gefunden hat.

Defintitiv gibt es ähnliche Phänomene bei anderen Insekten. Durch eine Mutation bilden Fruchtfliegen beispielsweise Fühler anstatt von Beinen aus. Verlieren Gespenstschrecken (Phasmatodea) ihre Antennen dagegen an einer ganz bestimmten Stelle, so werden diese als Bein regeneriert.

Zudem findet man im Internet durchaus Bilder von Hirschkäfern (Lucanidae) die mehr als zwei Zangen (Mandibeln) aufweisen.

Auch Skorpione mit mehren Schwänzen (Metastoma) inklusive Stachel wurden schon gefunden.

In meiner Zucht hatte ich auch schon ein Wandelndes Blatt (Phyllium philippinicum) mit sieben statt nur sechs Füßen. Sogar achtfüßige Anomala cupripes und Nashornkäfer der Art Xylotrupes gideon konnten schon von Sammlern gefangen werden. In allen drei Fällen befanden sich zwei bzw. drei Füße an einem Bein.

Literatur

Struhl, G. (1981): A homoeotic mutation transforming leg to antenna in Drosophila, Nature Volume 292, Seiten 635–638, https://www.nature.com/articles/292635a0

Köhn, J. (2008): Eine Mißbildung bei der Gespenstschrecke Extatosoma tiaratum (MacLeay, 1827), ARTHROPODA 16(1): 82.

Köpke, O. (2010): Mutation bei einem Wandelnden Blatt von den Phillipinen – Phyllium phillipinicum HENNEMANN, CONLE, GOTTARDO & BRESSEEL 2009- ZAG-Phoenix 1(2), Seite 10

 

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